Weihnachtsgeschichte 5_2022

Wie der heilige Nikolaus das Weihnachtsfest rettete

Es begab sich schon vor sehr langer Zeit. Trotzdem möchte ich euch die Geschichte erzählen…

Es war der Tag nach dem sechsten Dezember und der gute alte Nikolaus kam gerade ziemlich müde von seiner Reise über die Erde in den Himmel zurück. Er wollte dem Christkind berichten, dass die Kinder recht brav waren und sich schon alle auf das kommende Weihnachtsfest freuten.
Doch er wunderte sich gleich beim Eintreten, dass der Heilige Petrus nicht auf seinem gewohnten Platz an der Himmelspforte saß. Aber im Himmel war es überhaupt ungewöhnlich still, der heilige Mann lauschte und fragte sich, was das wohl zu bedeuten hatte. Er ging in die Werkstatt, konnte aber kein einziges Englein finden. Die begonnenen Geschenke lagen halbfertig auf den Werktischen und es sah fast so aus, als ob die himmlische Schar mit einem Male verschwunden wäre. Das hatte nichts Gutes zu bedeuten. Er setzte seine Runde in die Backstube fort und musste zu seinem Entsetzen feststellen, dass es hier nicht anders aussah. Keine verlockenden Düfte, keine verführerischen Kekse und Plätzchen. Da müsste eigentlich Hochbetrieb herrschen, aber es war kalt, denn nicht einmal der große himmlische Backofen war angeheizt. Ja, was konnte da nur geschehen sein!?
Er lenkte seine Schritte in die Wolkenkämmerlein, wo die Engel wohnten. Was er da jetzt sah, gefiel ihm gar nicht. Der ganze Himmel war krank. Die Englein lagen in ihren Wolkenbetten, bis zu den Nasenspitzen zugedeckt und fiebrige Augen sahen ihn an. Sankt Petrus ging, selbst mit einem dicken Schal um den Hals, von Bett zu Bett und teilte Himmelschlüsselhustensaft und heißen Tee aus. Es war zum Erbarmen!
„Aber das ist noch nicht das Schlimmste“, krächzte Petrus, er war sehr heiser und konnte kaum sprechen, öffnete einen zarten Vorhang, der eine kleine Kammer von den Engeln abtrennte, und ließ heiligen Bischof hineinsehen.
„Schau her, Nikolaus, auch unser Christkind hat’s ganz böse erwischt.“
Und tatsächlich. Da lag das arme kranke Christkind und war über den Wunschzetteln, die es angesehen und fein säuberlich sortiert hatte, erschöpft eingeschlafen.
„Das war aber auch noch nicht da“, erwiderte der Nikolo, „das ist schlimm. Jetzt ist guter Rat teuer. Was machen wir nun? Das kann doch nicht sein, dass Weihnachten heuer ins Wasser fällt!“
Er begann die ganze Weihnachtspost einzusammeln und nahm sie aus dem Bett vom Christkind fort.
Als er die Stapel auf seinen Tisch gelegt hatte, sah er erst, wie viel sich die Kinder gewünscht hatten. Er war wirklich ratlos. Als er auf Petrus hinreden wollte, merkte er, dass sich auch dieser in seine Kammer zurückgezogen hatte, um sich ein wenig auszuruhen und zu kurieren.
‚Was soll ich nur tun?‘ quälten ihn seine Gedanken. ‚Ich kann doch nicht hier sitzen und zusehen wie nichts passiert, das wäre gar nicht gut. Es muss etwas geschehen. Ich brauche Hilfe.‘
Sankt Nikolaus zerbrach sich den Kopf wie er dem Christkind helfen könnte. Da hatte er eine Idee…
Er stand auf zog seine dicken Stiefel wieder an und machte eine Eintragung in das goldene Buch von Petrus. Soviel Zeit musste sein und es hat ja alles seine Richtigkeit zu haben. Petrus sollte wenigstens wissen, wo Nikolaus hingestapft war und was er vorhatte – Ordnung muss sein. Ohne viel Zeit zu verlieren, verließ er nun den Himmel und machte sich auf den Weg zurück zur Erde. Der heilige Mann marschierte sehr schnell, denn, viel Zeit blieb ihm nicht. Ihr werdet nicht glauben, wo er hingegangen war. Schnurstracks zu dem großen schwarzen Tor, das direkt in die Hölle führte. Dort angekommen klopfte er kräftig an und gleich darauf erschien Fünkchen, ein kleines Teuferl, das an diesen Tag Türdienst hatte. Es war nicht wenig erstaunt, als es sah, wer da vor dem Höllentor stand und fragte gleich:
„Ja, Sankt Nikolaus!? Was führt denn dich an den Abgrund der Hölle? Komm, tritt ein!“
„Danke, ich denke, das ist mir zu heiß. Aber ich möchte gerne meinen treuen Weggefährten, den Krampus, sprechen“, antwortete Nikolaus.

Kaum hatte er das letzte Wort ausgesprochen, erschien auch schon der Beelzebub, um nach dem Rechten zu sehen. Fünkchen war ja doch noch sehr klein. Als er aber den Heiligen Nikolaus erblickte, grinste er über das ganze Gesicht und fragte:
„Na, mein guter Nikolo, was gibt’s? Es ist eher ungewöhnlich, dich hier zu sehen. Haben wir vielleicht doch einige schlimme Kinder übersehen? Warte, ich hole gleich meine Rute und die große Butte“, sagte er lachend und rasselte dabei furchterregend mit seiner eisernen Kette.
„Halt ein, mein Freund“, sagte der heilige Mann beschwichtigend, „ich brauche dich zwar, aber ganz anders, als du es dir vorstellen kannst. Stell dir vor: Alle Engel im Himmel sind krank und liegen mit einer schlimmen Verkühlung im Bett. Sogar das Christkind hustet und schnupft. Es hat hohes Fieber und kann heuer keine Vorbereitungen für das Weihnachtsfest treffen. Bei Sankt Petrus auf dem Tisch stapeln sich die Wunschzettel und es ist niemand da, der die ganzen Wünsche erfüllt. Außerdem ist mit ihm auch nichts anzufangen, er liegt wie alle anderen im Bett und versucht gesund zu werden. Jetzt wollte ich dich fragen, ob du nicht ausnahmsweise einmal dem Christkind helfen könntest?“
Der Krampus kratzte sich zuerst einmal ausgiebig seinen schwarzen, rußigen Bauch, dann zwischen den Hörnern, bevor er sagte:
„Ich habe jetzt nachgedacht und du meinst – ich, also ausgerechnet ich soll in den Himmlischen Palast gehen und bei den Vorbereitungen für den Heiligen Abend mithelfen. Das ist aber schon sehr abgefahren, häää? Und welche Arbeit hättest du da für mich parat?“
Er streckte seine schwarzen Klauen nach vor und zeigte sie Nikolaus.
„Damit kann ich nicht viel anfangen, das musst du selber zugeben. Oder?“
Der heilige Mann lächelte milde und erwiderte:
„Ich habe an alles gedacht. Du machst das, was du am besten kannst.“
„Kinder verhauen?“, grinste er.
„Sei doch nicht sooo dumm. Du wirst ganz einfach den Himmlischen Backofen heizen. Es gibt niemanden, der das so gut könnte wie du. Kinderverhauen… was du dir denkst… Das Beheizen des Ofens ist eine sehr heikle Aufgabe, da der Ofen immer die richtige Temperatur haben muss, damit das Backwerk nicht verbrennt. Deine Rute kannst du übrigens auch dalassen, nur damit du Bescheid weißt – genauso wie deine Kette. Da wird niemand verhauen – im Himmel sind alle brav. Und wenn du dich ordentlich um’s Heizen kümmerst, kommst du so und so auf keine dummen Gedanken. Mit einiger Sorgfalt schaffst du das bestimmt.“

Nun grinste der Kramperl über das ganze Gesicht.
„Die Sache gefällt mir, wahrlich, sie gefällt mir. Das geht in Ordnung – ich heize. Aber sag, ehrwürdiger Nikolaus, wer wird die ganzen guten Sachen backen? Wie gesagt, bei mir geht da gar nichts. Ich kann zwar Kohlen schleppen und Ruten binden – aber Plätzchen formen?“
„Ja, das ist freilich ein Problem. Aber ich habe mir da auch schon was überlegt… ungewöhnlich zwar, wie diese ganze Aktion, aber es könnte klappen. Wir brauchen ja auch helfende Hände zum Bauen und Bemalen vom Spielzeug…“, sagte er mehr zu sich selbst als zum Höllenfürsten.
„Nun“, begann der gehörnte Geselle, „ich hätte da vielleicht auch eine Idee. Was hältst du davon, wenn wir Fünkchen und Schweferl mitnehmen würden? Die könnten mir schon behilflich sein und ich glaube nicht, dass du das bereuen würdest. Für die Hölle sind sie eh viel zu brav. Und die paar Kinder, die wir am fünften Dezember mitgenommen haben, könnten auch mitkommen. Wenn sie brav mithelfen, werden sie sich ja einiges verbessern und vielleicht sogar Weihnachten wieder zu Hause bei ihren Eltern sein. Mir wär’s nur recht – ich habe nämlich keine Lust, mich ein Jahr lang mit denen herumzuärgern.“
„Das ist wirklich eine gute Idee. Hol sie alle her, wir müssen uns auf den Weg machen!“
Der Teufel verschwand in einer Wolke aus Schwefel und Gestank und Sankt Nikolaus dachte bange, dass er eine Menge Weihrauch brauchen würde, um diesen Gestank wieder aus dem Himmel hinauszubekommen.
Es dauerte gar nicht lange, da erschien der Krampus wieder mit seinem Gefolge und der kleine Zug setzte sich schweigend in Richtung Himmel in Bewegung. Der schwarze Geselle hatte vorsorglich eine große Butte voll glühenden Kohlen mitgenommen, damit im Himmel gleich mit dem Heizen begonnen werden konnte.
Sankt Nikolaus führte diese seltsame Prozession bis zur Himmelstreppe, dann sagte er:
„Ich muss mich jetzt von euch verabschieden – ich habe noch einiges zu erledigen. Ihr findet den Weg jetzt alleine. Petrus weiß Bescheid – ich habe es in das goldene Buch eingetragen. Benehmt euch und macht mir keine Schande, sonst könnt ihr was erleben!“
Mit diesen Worten entschwand der Heilige Mann.

Als nun der Krampus mit seiner dampfenden Butte vor dem Himmelstor stand, staunte der alte Petrus nicht schlecht und dachte: ‚Der hat das doch wirklich wahr gemacht. Holt da den Kramperl aus der Hölle!‘
Von herzlicher Begrüßung konnte natürlich keine Rede sein, was aber verständlich ist. Ein wenig misstrauisch ließ er die Gesellschaft ein und nur der Umstand, dass jede Hilfe willkommen war, hinderte ihn daran, einen abfälligen Kommentar zu äußern. Er zeigte ihnen den Weg in die Backstube, doch als der Teufel an ihm vorbeiging, rümpfte er die Nase. Solche Gerüche war er nicht gewohnt. Er sah den Ruß und den Dreck, den der Höllenmeister an sich hatte, und die schwarze Spur, die er über die weißen Wölkchen zog.
„Ab in die Waschküche!“, donnerte er, „So gehst du mir nicht in die Backstube! Und die Anderen gleich mit! Abmarsch!“
Zum Glück hatte Petrus seine Stimme schon halbwegs wieder gefunden. Ein paar Engerl, denen es schon ein wenig besser ging, machten große Augen und zogen angstvoll ihre Wolkendecken über die Köpfe.
Als sie endlich sauber waren, konnte begonnen werden. Die Teufel wussten sowieso, was sie zu tun hatten, und den Kindern erklärte Petrus, so gut er konnte, was zu erledigen war. Die Mädchen machten sich in der Backstube zu schaffen, die Buben kamen in die Werkstatt. So war der erste Schritt getan.

Was machte eigentlich unser Heiliger Nikolaus? Er lief um die halbe Welt, um Hilfe zu holen. Wohin? Passt mal auf:
Als allererstes führte ihn sein Weg zum Osterhasen. Ein erfahrener Maler. Er dachte dabei an das Holzspielzeug, das noch lackiert werden musste, und natürlich an die Unmengen von Christbaumkugeln, die alle noch unverziert herumlagen.

Er zögerte kurz, bevor er anklopfte. Dem Osterhasen fiel fast sein Pfeifchen aus dem Mund, als er den Nikolaus sah.
„Grüß dich, Nikolaus… irgendwas stimmt da jetzt nicht… was sag ich da? Nikolaus? Oje, ich bin übergeschnappt… Was sollte der Nikolo bei mir wollen? Das gibt’s doch gar nicht.“
„Doch, das gibt’s. Lieber Osterhase, ich, eigentlich nicht ich persönlich, aber wir im Himmel brauchen deine Hilfe. Ganz dringend.“
„Äh… worum geht’s denn?“, fragte nun der Herr Hase und paffte einige Rauchwölkchen in den kalten Tag.
„Wir brauchen deine Malkünste. Wer Ostereier so fein bemalt, kann bestimmt auch Christbaumkugeln verzieren. Deine Kinder könnten sich im Lackieren üben und so hilfreich sein.“
„Und warum das?“
„Du lässt mich ja nicht aussprechen. Im Himmel steht alles still, weil sämtliche Engel krank geworden sind. Kein Näslein ist vom Schnupfen verschont geblieben. Jetzt brauchen wir jede nur erdenkliche Hand oder Pfote, die uns helfen kann. Wärst du bereit mit deinen…“
„Aber sicher, keine Frage. Ich entwerfe zwar gerade die Muster für die nächsten Ostern, aber sonst ist der Winter eher fad bei uns. Eier können wir ja noch keine bemalen, sonst stinken sie bis zum großen Fest. Ich werde die besten und schnellsten Maler zusammenholen und dann kann es schon losgehen! Wo sind denn die Sachen? Hast du gar nichts mitgebracht?“
„Was soll ich mitgebracht haben?“, fragte Nikolaus verblüfft.
„Na die Kugeln und die Spielsachen! Zum Bemalen!“
„Das ist ein kleines Missverständnis, eigentlich hoffte ich, dass du und deine Freunde, also dass ihr zu uns in den Himmel kommt!“
„Oh. Okay. Welche Ehre. Mit uns kannst du rechnen. Pfote auf’s Herz.“
Sankt Nikolaus erklärte dem Osterhasen noch den Weg zur großen Himmelsstiege und verabschiedete sich dann. Er hatte nämlich noch viel vor und musste einen weiten Weg zurücklegen, um an sein nächstes Ziel zu kommen. Zum Glück hatte er die wunderbaren, geheimnisvollen Stiefel an, die es ihm leicht machten, große Strecken zurückzulegen.
Der Osterhase hatte es wirklich geschafft, viele seiner Artgenossen zu motivieren, mitzukommen. Eine außergewöhnliche Situation. Alle waren sehr aufgeregt, war es doch das allererste Mal, dass sie so einen Auftrag bekommen hatten. Jeder hatte seine eigenen Pinsel mitgenommen, das war Ehrensache bei den Malerhasen. Es hatten sich auch einige Bäckerhasen freiwillig angeschlossen – der Heilige Nikolaus hatte es zwar nicht erwähnt, aber da der Oberosterhase sehr klug und weise ist, hatte er kombiniert, dass auch in der Bäckerei Not am Mann sein würde.
Nach einem längeren, mühevollen Marsch waren die Hasen an der Himmelsstiege angekommen. Nachdem sie sich mit einigen Karotten gestärkt hatten, begann der luftige Aufstieg. Da der Heilige Petrus Bescheid wusste, erwartete er die Helfer bereits am goldenen Himmelstor. Er hatte ihr Kommen mit seinem großen Fernrohr beobachtet. Es war eine große Begrüßung – die Osterhasen mit ihren Pinselköchern am Rücken waren dem Himmelsmann weitaus sympathischer als der Leibhaftige mit seiner kohlengefüllten Butte. Schnell war besprochen, was zu tun war und in Nullkommanichts saßen die Malerhasen auf ihren Plätzen und legten los. Die Motive waren für sie ein wenig ungewohnt und manchmal passierte es schon, dass eine Frühlingsblume neben einem Tannenzweigerl oder einer Schneelandschaft gemalt wurde.
Als Petrus die Bäckerhasen zu Himmelsbackstube geleitete, sagte er:
„Also eines sollte ich euch noch sagen, bevor wir hier hineingehen… wir haben auch noch einen anderen Gast… ihr braucht keine Angst zu haben – er wird euch nichts tun… nur… es ist so… dass er… nun ja… furchterregend aussieht. Aber auch er ist gekommen, um dem Christkind zu helfen. Das solltet ihr nicht vergessen! Nur Mut!“
Hasen sind genauso neugierig wie furchtsam. Eine fatale Kombination! Als ob sie nichts und niemand erschüttern könnte, traten sie ein. Sekunden später war kein einziges Häschen mehr zu sehen. Alle hatten sich versteckt. Unter den Backtischen, hinter den Kästen und in den Vorratsregalen. Der Krampus war zwar ungewöhnlich sauber, aber trotzdem. Alle hatten ihn erkannt und, ehrlich gesagt, große Angst vor ihm. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich wieder hervortrauten. Als der erste Schreck vorbei war, ging es aber in der Backstube ganz lustig zu. Die Osterhasen waren flinke Bäcker und füllten in Windeseile Dose um Dose.

Also im Himmel lief alles ganz gut. Und Nikolaus? Als nächstes führte ihn seine Reise nach Welikij Ustjug. Ihr wisst nicht, wo das ist? Das ist eine Stadt im Norden von Russland und dort sind Djeduschka Moros und seine Snegurotschka zu Hause. Zu Deutsch – Väterchen Frost und seine Enkelin Schneeflöckchen, die ihn stets begleitet. So wird nämlich der Weihnachtsmann in Russland genannt. Auch ihn wollte Nikolaus um Hilfe bitten. Er rechnete sich gute Chancen aus, da das große Fest in Russland erst am Neujahrstag stattfindet.

Als er ankam musste er feststellen, dass hier alles sehr prunkvoll war und er aufs allerherzlichste begrüßt wurde. Nun erzählte Sankt Nikolaus seine Geschichte und Väterchen Frost sagte natürlich zu. Dann brummte er:
„Es ist schön, dem Christkind helfen zu dürfen – sind wir alleine da oder helfen auch noch andere mit?“
„Sicher. Die Osterhasen sind schon himmelwärts gegangen und, nun ja, der Krampus hat auch seine heiße Heimat verlassen – er betreut den himmlischen Backofen – und jetzt habe ich noch vor, Joulupukki zu fragen. Da muss ich halt noch hin und wenn das geschafft ist, kann ich mich vielleicht ein wenig ausruhen. Ich bin eigentlich schon sehr müde.“
„Kein Problem! Weißt du was? Dort fliegen wir mit meiner Troika hin. Das geht schneller als zu Fuß! Ist’s dir recht? Dieses Projekt hört sich ja sehr interessant an.“
„Mit Freuden! Das hab‘ ich ja noch nie gemacht!“
„Dann spann ich schon mal meine Schimmel an und es kann losgehen!“
Ded Moros war voll Eifer bei der Sache. In Windeseile ging es nach Lappland zu Joulupukki. Der war gerade dabei seine Rentiere zu versorgen. Das nahm er sehr genau. Wie verblüfft schaute er, als plötzlich Väterchen Frost’s Troika vor seinem Heimatberg Korva Fjälls landete.
„Ho! Welch seltener Besuch! Was führt euch hier her?“
Nun musste der Heilige Nikolaus wieder die Geschichte von den erkrankten Engeln erzählen, wohl unterstützt von Väterchen Frost. Wie zu erwarten war, meinte der Weihnachtsmann:
„Wenn das so ist, müssen wir zusammenhalten. Meine Arbeit ist erledigt, dank meiner fleißigen Wichtel, und der Reise in die Himmlischen Werkstätten steht nichts mehr im Wege. Wie du siehst, habe ich eine riesige Kutsche, die noch nicht beladen ist. Da setzte ich meine flinksten und fleißigsten Wichtel hinein und schon kann’s losgehen! Die Abwechslung wird ihnen sicher gefallen! Nehmt ihr meine gute Frau mit, sie ist eine hervorragende Köchin! Ihre leckeren Lebkuchenbäumchen sind eine Spezialität und überall beliebt!“

Während er das sagte, klopfte er sich sehr wohlgefällig auf seinen mächtigen Bauch. Er half seiner Gemahlin galant in die Troika und kaum hatte Frau Weihnachtsmann Platz genommen, erhob sich Djeduschkas Gefährt in die Lüfte. Für die Frau vom Weihnachtsmann und Schneeflöckchen war das Reisen in diesen Kutschen ja nichts Neues, aber Sankt Nikolaus musste seine Bischofsmütze ordentlich festhalten, damit sie ihm nicht davonflog. So ein rasantes Tempo war er nicht gewöhnt. Aber er fand es toll und erwog, sich auch so eine fliegende Kutsche anzuschaffen.

Vor dem Himmelstor wartete schon der Heilige Petrus, begrüßte die Eintreffenden herzlich und bat sie herein. Für alle ein außergewöhnliches Erlebnis. Natürlich nicht für den guten Nikolaus. Alle bestanden darauf, dem Christkind ihre Aufwartung machen zu dürfen. Und alle hatten, ohne dass Nikolaus es gesehen hätte, Geschenke für das Christkind mitgebracht. Süße Sachen von den Herren, ein schönes warmes, mit vielen Sternen besticktes Kleid von Snegurotschka und die praktische Frau Weihnachtsmann hatte einen wunderschönen Samowar und guten Tee mitgebracht.
Petrus war das zwar gar nicht recht, weil er meinte, dass sich das Christkind noch auskurieren sollte, aber dann musste er es doch zulassen.
Wie sehr freute sich das Christkind über den Besuch und sagte mit seiner sanften Stimme:
„Danke, es ist sehr lieb von euch, dass ihr mir alle helft, und dann die schönen Geschenke! Wisst ihr, dass ich noch nie etwas zu Weihnachten bekommen habe? Danke. Aber jetzt muss ich schlafen, damit ich bald gesund bin!“
Die Besucher verbeugten sich tief und voll Ehrfurcht vor dem Himmlischen Kind und verließen wieder den kleinen Raum.

Die Wichtel waren gleich in den verschiedenen Werkstätten verschwunden – ihnen brauchte niemand Anweisungen zu geben – sie waren Profis und wussten genau, was zu tun war. Das war ein Hämmern und Klopfen, ein Zuschneiden und Nähen – in jedem Himmelswinkel wurde fleißig gearbeitet.
Von Zeit zu Zeit stahl sich der eine oder andere Wichtel fort, um einen Blick in die Backstube zu werfen – den Höllenfürst sah man ja sonst nicht alle Tage. Wenn er jemanden erblickte, streckte er die Zunge ganz weit heraus, wie es der Krampus eben so macht. Dann liefen die Wichtel schnell an ihren Platz zurück und machten geschäftig weiter. Ab und zu fielen auch ein paar Kekse an, die nicht so schön geworden waren. Dafür sorgte schon Frau Weihnachtsmann. Diese wurden dann unter den fleißigen Helfern aufgeteilt.

Jetzt gibt es eigentlich nicht mehr viel zu erzählen – die Frau vom Weihnachtsmann hatte das Regiment in der Küche übernommen und alles lief wie am Schnürchen. Die Malerhasen machten den Wichteln noch was vor und der Christbaumkugelberg wurde immer kleiner. Jeder gab sein Bestes. Nach und nach kam auch das eine oder andere Engelchen zurück – die Grippewelle im Himmel war vorbei.
Als dann das Weihnachtsfest vor der Tür stand, war auch das Christkind wieder fit und konnte alle Geschenke termingerecht abliefern. Kein Kinderwunsch blieb offen.
Zwischen Weihnachten und Neujahr wurde dann im Himmel ein großes Fest gefeiert, wo alle Helfer noch einmal zusammenkamen. Fast alle. Der Krampus kam nicht. Er ließ ausrichten, er sei unpässlich… und die Kinder. Sie kamen auch nicht. Sie wachten zu Hause in ihren Betten auf und dachten, dass sie das nur geträumt hatten…

erzählt von Soreylia 2013 A.D.

5 Kommentare on “Weihnachtsgeschichte 5_2022

  1. Danke, liebe Selune. Ich bin immer noch am Wörter-Suchen in deinem Maxi-Suchsel…😉🙈
    Die Weihnachtsstimmung will sich bei mir dieses Jahr einfach nicht so recht einstellen… Ich wünsche mir einfach nur FRIEDEN.
    Und doch, ja, ich habe auch Weihnachtsguetzli gebacken und ich will mir ja auch Mühe geben. Aber dieses Jahr fällt es mir einfach etwas schwerer. Geht euch das nicht auch so?
    Alles Liebe und Schöne wünscht euch
    eure 🐭
    🎄🌟🎄

    1. Tja, bei unserem berüchtigten Weihnachtstauwetter und den vielen Krisen ist ein fehlendes „Holy Feeling“ nicht verwunderlich.
      Bei uns zuhause ist jede Weihnachten sowieso Kochirrsinn angesagt – Schnitzel, Fisch, Salate, Beilagen, Kekse, Glühwein, Punsch und allerlei weitere Spezereien, die wir (also ich) auftischen. Daher ist ein „besinnliches“ Fest leider absolut unmöglich. So sieht es halt aus, wenn man kein Kind mehr ist und es doch gerne noch einmal wäre….

      Also her mit dem USB Stick mit den schönen Weihnachtsliedern – vielleicht kommt dann ein bisschen Weihnachtsstimmung auf!

      Ich wünsche euch, dass sich im Laufe des Tages und der herannahenden heiligen Nacht doch ein wenig Stimmung einstellt – und wenn das Christkind – oder der Weihnachtsmann – seine Geschenke abgeladen hat: Mögen alle Gaben frohe Abnehmer finden und euch allen ein Lächeln auf eure Gesichter zaubern!

      FROHE WEIHNACHTEN! 👼🏼 🌟

  2. Dem kann ich nur zustimmen. 😀👍
    Eine schöne Geschichte 🥰und spannend bis zum Schluss 😳.
    Besonders die Rolle vom Grampus fand ich sehr interessant. 🤔💭🧐
    Aber das schöne an so Geschichten:
    Ende Gut 😊, alles gut. 😉

    Auch von meiner Seite euch allen frohe Weihnachten 🎄🎁, besinnliche Stunden, und eine tolle Zeit mit Menschen die euch wichtig sind. 🥰🎄❄️🍀🎁🥳

  3. Was für eine schöne Geschichte. Man fiebert richtig mit, ob alles rechtzeitig fertig wird. Nun ist Soreylia unser Christkind und beschenkt uns mit dieser tollen Geschichte. Vielen lieben Dank.
    Ein friedliches Weihnachtsfest wünscht Allen ganz herzlich eure Betti

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