AGS: Was zu feiern…

Aus gegebenem Anlass habe ich mich an diese vor sechs Jahren geschriebene AGS Geschichte erinnert…

Der Ehrentag

Dass Geburtstage nicht immer auf Wochenenden fallen, ist klar. Daher muss man als Geburtstagskind oft damit Vorlieb nehmen, dass der Ehrentag nicht immer am richtigen Datum gefeiert wird – Arbeit und ähnlich unnötige Kleinigkeiten stehen einem entspannten Tag zum Feiern leider meistens im Wege. So war es heuer auch mit meinem 55. Geburtstag – FÜNFUNDFÜNFZIG!!! Gott, was bin ich alt! Im zarten Alter von fünfundzwanzig schien mir das unglaublich weit in der Zukunft zu liegen – und ich machte mir um solche „Kleinigkeiten‘“ wie Alter keine wirklichen Gedanken. Heutzutage wundere ich mich, was ich alles schon – mehr oder weniger unbeschadet – überstanden habe – obwohl ich beim morgendlichen Blick in den Spiegel immer wieder zusammenzucke.

Also, wie gesagt, man kann sich die Wochentage, auf die die Geburtstage fallen, nicht aussuchen. Heuer fiel mein wiederkehrender Jahrestag auf einen Donnerstag. Nun geht mein Ehegespons aber zweimal in der Woche Tennis oder Volleyball spielen. Montags und donnerstags. Einerseits, um sich körperlich zu betätigen – zwecks Erhaltung der Gesundheit und wegen der Freude an der Sportart, andererseits, um sich mit seinen Freunden zu treffen. Dies wird seit mehr als 30 Jahren mit fast hundertprozentiger Regelmäßigkeit so zelebriert. Die montäglichen Tennishappenings mit einem Freund sind neuerer Natur, seitdem mein Männe seinen Spaß am Tennis entdeckt hat. Im Sommer ist die Schule geschlossen, in der Volleyball gespielt wird, also muss man(n) donnerstags auf Beachvolleyball oder neuerdings auf Tennis ausweichen. Aber selbst wenn der Sport im Freien durch widriges Wetter ins Wasser fällt, so ist es doch immerhin die Gelegenheit, sich zumindest ein paar Stunden im Lokal auf ein paar Biere, Radler oder ähnliches zu treffen und sich auszutauschen – Männerabend halt.  Ist ja auch ok, so kann mein Bester sich abreagieren und hat wenigstens ein paar Stunden in der Woche Spaß am Leben, das sonst eher stressig ist. Er fällt, wenn er dann so gegen elf Uhr abends heimkommt, total geschafft ins Bett und ist so gut wie sofort im Land der Träume – und der Sägewerke.

Tja, ich allerdings habe diesen Geburtstag dadurch alleine verbracht. Einige würden eventuell „juhuuu“ schreien und sich über eine sturmfreie Bude freuen, ich allerdings bin seit langem aus diesem Alter heraus. Meine treuen Freundinnen hatten wie erwartet brav angerufen und mir zu meiner fortschreitenden Vergreisung gratuliert – obwohl sie so etwas nie so formulieren oder meinen würden – zumal sie zum Teil älter sind als ich. Stimmen tut‘s allerdings trotzdem. Aber genau hier entkommt niemand – wirklich NIEMAND – dem Schicksal. Also machen wir halt das Beste daraus und freuen uns, wieder ein Jahr glücklich hinter uns gebracht zu haben und ein neues zu beginnen. Wie gesagt, alle meine Lieben haben angerufen und mir gratuliert. Bis auf….

Genau! Mein Herzhallerliebster ist wohl nicht dazu gekommen, wollte mich nicht wecken (ich schlafe täglich 3-4 Stunden – derzeit wegen der brütenden Hitze eher noch weniger – also bin ich sicherlich schon stundenlang auf, wo er meint, ich würde noch in Morpheus‘ Armen ruhen), hatte zu viel Arbeit, hat vergessen, hätte mir erst abends alles Gute wünschen wollen oder was auch immer. Hätte ich ihn nicht wegen Problemen mit dem Rauchfangkehrer selbst angerufen, wer weiß, wann ich irgendwas zu dem Thema gehört hätte. Er kam auch nicht einmal im Ansatz auf die Idee, den Rest dieses Tages nicht mit seinen Freunden auf dem Tennisparcours und dann im Wirtshaus, sondern mit seinem angetrauten Weib zu verbringen – wahrscheinlich sah er keine Notwendigkeit für solch außergewöhnliche Änderungen im Zeitplan. Ich sah das nicht so eng, weil ich am Donnerstag seit langem sowieso meinen Serienabend im Fernsehen habe. „Aber fragen hätte er doch können, ob er nicht zu Hause bleiben sollte“, spukte es ab und zu durch mein Gehirn. Ich hätte abgewinkt und den Willen fürs Werk stehen lassen. Als er gegen elf wie gewöhnlich erschien, kriegte ich ein Bussi, ein „alles Gute zum Geburtstag“ – und aus. Najoooo……

Heute, also am Tag danach, hatte er frei, um sich um die kaputtgegangene Wasserpumpe im Garten seines Vaters kümmern zu können. Er hatte bereits gefrühstückt und das benutzte Geschirr in die Abwasch gestopft. Ich machte, was ich, wenn morgens dreckiges Frühstücksgeschirr auf mich wartet, immer mache – ich wusch ab. Als er hinter mir den Eiskasten plünderte, ritt mich das Frustteufelchen und ich maunzte: „Und, was krieg ich zum Geburtstag?“ Die Antwort allerdings machte mich sprachlos – und wer mich auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass das ein überaus seltenes Ereignis ist: „Ich wollte dir eh schon einen Strick kaufen!“ Sprach’s und grinste breit. Ich hingegen war wie von einer Felswand erschlagen. DAS sollte lustig sein? Im Ernst? Was war da um Gottes Willen Vater dieses Gedankens??? Habe ich bald mit Gewürzen wie Arsen im Essen zu rechnen? Gehe ich ihm so auf den Wecker? Ich schluckte, hoffentlich unhörbar, und lachte – sicher ziemlich gekünstelt. Mein letzter Rest von Schmorhirn sagte mir, dass ich jetzt nur jaaaa keinen Elefanten aus dieser für mich doch immerhin Kondor-großen Mücke machen durfte, sonst hinge der Haussegen nicht nur schief, sondern wahrscheinlich gleich verkehrt rum – und Monsieur wäre ordentlich beleidigt. Mein Kopfkino drehte in diesem Moment voll durch – ich sah einen Riesenstrick mit Galgenschlaufe drohend vor meinen Augen baumeln. Er allerdings führte das Thema nicht weiter aus und ich traute mich nicht, auch nur irgendetwas darauf zu erwidern.

Geburtstagsgeschenk…

Ich bin wirklich nicht der nur auf Geschenke fixierte Typ – für mich ist ein Essen, ein Kinobesuch, ein mit Spielen verbrachter Nachmittag (das gilt im Besonderen für meinen Holden, der gerade mal so mit Ach und Weh eine – wohlgemerkt: nur EINE – Partie Carcasonne nach langem Bitten und Betteln mit mir spielt, obwohl ich weiß, dass er das Spiel gut findet) oft mehr als ein teures Geschenk. Auch die mit viel Liebe und Hingabe von meiner Wahlschwester Soreylia erzeugten Dinge bereiten mir unendliche Freude, obwohl sie ihre Erzeugnisse immer und immer wieder so heruntermacht, dass es mir schwerfällt, sie manchmal dafür nicht aus den Kleidern zu beuteln. Für mich ist wichtig, dass sich jemand mit mir als Person mit meinen vielen Spinnern, meinen Vorlieben wie auch mit meinen zahlreichen Fehlern auseinandersetzt und ich sehe, dass ich dem Menschen etwas bedeute. Ja, und ich gebe zu, dass ich auch gerne Geschenke bekomme – welche, wieviel und was sie kosten, wenn überhaupt, ist nicht so wichtig. So, und was soll ich nun aus dem Verhalten meines Ypsilons schließen? Das Einzige, was ich unter Umständen bekommen hätte, wären Blumen gewesen, aber ich habe betont, keine haben zu wollen – hat bei 34°C Raumtemperatur keinen Sinn. Tja, und das war wohl das Einzige, was ihm offensichtlich eingefallen wäre. Dumm gelaufen.

Blöderweise leide ich, wie viele meiner Geschlechtsgenossinnen, unter einem Elefantengedächtnis, das mich zwingt, die erlebten Szenen per Kopfkino in Endlosschleife abzuspielen. Dadurch werden zerebrale Gärungsprozesse in Gang gesetzt, die sich früher oder später zu einem Überdruck entwickeln, der mich, wenn ich nichts dagegen unternehme, zu zerreißen droht. Das einzige Überdruckventil, das ich dafür bisher gefunden habe, ist solch eine Niederschrift, wie sie der geneigte Leser gerade in Händen – oder eher: am Bildschirm – hat. Und beschämt muss ich gestehen, dass ich schließlich in Gedanken den Strick aus meinem Kopfkino dazu benutzt habe, meinen Mann geknebelt und gefesselt in einen dunklen, kalten Keller zu sperren, wenn auch nur für ein paar Minuten…

gemütliches Plätzchen im Keller

Tja, dieses Jahr habe ich das „Happening“ klugerweise auf Samstag verschoben. Immerhin hatte ich einen kleinen Spielenachmittag – EINE Partie Carcassonne – die ich natürlich verloren habe – knapp, aber doch. Dafür scheinen alle anderen Geburtstagsboni in den Gully gerutscht zu sein… keine Blumen, kein Geschenk – und Gott sei Dank auch kein Ständchen – da ist mir vielleicht ein Strick noch lieber *grins*

8 Kommentare on “AGS: Was zu feiern…

  1. @Selune, habe diesen Beitrag mit immer größer werdender Bestürzung gelesen. Musste es erstmal „sacken“lassen. Mein Gefühl sagt mir, dass die Achtung für dich von Männes Seite schlicht nicht vorhanden ist…Kann schwierig werden mit zunehmendem Alter. Meine eigene Erfahrung ist da durchweg positiv, mein Mann hat nie meinen Geburtstag vergessen, selbst als er nicht mehr allein zurechtkam,hat er über unsere Kinder für Blumen gesorgt und den Tag mit mir genossen. In jungen Jahren kam auch das eine oder andere Gläschen dazu. Wünsche dir trotzdem, das du deine eigenen Bedürfnisse dir erfüllen kannst und deine Lebensfreude bleibt 😺😸

  2. Ach mini! Mein Männe hat viele Vorzüge, aber sein Sinn für Humor gehört eindeutig nicht dazu. Allerdings weiß ich, dass er es nicht so böse meint, wie es sich anhört. Glaube mir, sonst wären wir nicht schon über 30 Jahre verheiratet. Zum runden 60er hat er sich wirklich bemüht – und wenn ich einen Wunsch habe, kann ich ihn mir, wenn nicht irgendwas wirklich Grundlegendes dagegen spricht, immer erfüllen. Ich bin bei vielen Kleinigkeiten eher nachsichtig, wenn sonst alles im grünen Bereich ist. Aber manchmal kommt er mit so blöden Sprüchen um die Ecke, dass einem wirklich die Luft wegbleibt!

    Auch Soreylia hat meinen Männe sehr gemocht – und auf ihr Urteil war Verlass. Allerdings hat sie ja von ihrem „Schatz“ auch einige AGS Geschichten zu erzählen gehabt – und da kommen Sachen vor, die widerum ich mir nie hätte gefallen lassen 😝 😝 😝
    Mein Mausbär bekommt trotz seines manchmal brechreizerregenden Charmes das Prädikat „Selten und trotzdem – oder gerade deswegen: Wertvoll“ von mir.
    Sollte es 10x gewesen sein, dass wir wirklich gestritten haben – in über 30 Jahren – dann war es viel. Trotz aller Ups and Downs würde ich meinen Brummbären doch niemals eintauschen… denn ich weiß, dass er mich, warum auch immer, wirklich liebt 🥰

  3. „zerebrale Gärungsprozesse“ Allein um diesen Begriff zu lesen, hat es sich gelohnt, heute aufzustehen! Nun nur noch diese 2 Worte ins Stammhirn einmeißeln…

  4. Liebe Selune, deine Geschichte ist so toll geschrieben, dass es mir immerhin etwas leichter fällt, den eigentlichen nicht so tollen Inhalt zu ‚verdauen‘. Das „Land der Träume – und der Sägewerke“!! Herrlich! 🙂 🙂

    In einem Film würde die fantasievolle Gattin nun vielleicht selber einen Strick kaufen, sich eines schönen Abends auf den Dachboden begeben, sich dort auf einen Schemel stellen, Schlinge um den Hals legen und warten. Wenn der Geburtstagsverdränger dann nach Hause kommt, findet er in der Küche einen Zettel mit der liebevollen, handschriftlichen Nachricht: „Bin oben, brauchst dir keine Sorgen mehr um meine Geburtstage zu machen. Tschüss!“ Kommt er dann (so hoffe ich doch zumindest) auf die Idee, oben nachzuschauen… bekommt er seinen verdienten Schock und es folgt ein Happy-End.

    Aber eben – Film ist Film – und im realen Leben beisst Frau die Zähne zusammen, es bildet sich eine weitere kleine Herz-Narbe, aber das Leben geht ja weiter… 🙄

    Es gäbe bestimmt noch andere Film-Varianten…
    zB im Stil von
    – Anna Magnani (Ohrfeige und öffentlichkeitswirksam ins Schmuckgeschäft-schleif)
    – Laureen Bacall (Augenbraue hochzieh und Gift kaufengeh)
    – Luis de Funès (Was? Schubs – Geburtstag vergessen? Schubs – Nein? Schubs Doch! Schubs – ooch! na warte!)

    …vielleicht habt ihr ja auch noch Ideen, wie die Geschichte anders hätte ausgehen können…? 😈

  5. Warum so pessimistisch? Es gibt Ketten, die wie Strick aussehen oder er wollte endlich den frisch gepflanzten Baum anbinden, oder an dem Strick wäre noch ein Hund dran, oder er meinte Wolle, nennt sich ja schlißlich „Strickwaren“. …
    Ich sollte zu meinem 55. (war ja grad) ein Messer bekommen. Was ist nun schlimmer? 😉

    1. Ich muss jetzt ehrlich gestehen, dass ich nicht mehr weiß, ob ich ihm dann doch was abgeluchst habe – sicherlich zumindest einen Spiele-Nachmittag und einen Besuch in der Eisdiele. Bei uns gilt eigentlich: Was mein ist, ist dein! Wir haben auch unser Geld auf einem gemeinsamen Konto – und sind bisher gut damit gefahren.

      Ich hoffe, dass unsere Midlife-Krisen schon vorbei sind und auch keiner von uns einen zweiten Frühling durchleben muss/kann/wird!

      Alter hat nicht viele Vorzüge, aber aus gemachten Erfahrungen gelernt zu haben (am besten nicht aus eigenen 😉 😉 ), halte ich für einen…

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