Lage, Lage, Lage

Blühorgasmen ohne „grünen Daumen“

Da ich seit Beginn der Pandemie – Gott, wenn sie doch schon endlich vorbei wäre – sehr selten im Garten meines Schwiegervaters bin, muss ich mit dem Dschungel in unserer Wohnung einstweilen Vorlieb nehmen. Nun müsst ihr wissen, dass ich in meinen früheren Wohnungen zwar immer versucht habe, irgendwas zum Blühen – naja, eher wenigstens zum Wachsen zu bringen. Leider meist vergebens. Selbst Kakteen weigerten sich hartnäckig, auch nur am Leben zu bleiben.

Naja, ok, an einem Todesfall war mein rotes Fellmonster Cäsar wohl schuld… Ich hatte mir wieder einmal einen kleinen grünen stacheligen Mitbewohner gekauft und sah regelmäßig nach ihm, weil trotz eines Platzes am Fensterbrett selbst Kakteen in der damaligen Wohnung nicht gedeihen wollten. Eines Tages, als mein Blick wieder zum Fenster schweifte, entdeckte ich Entsetzliches! Der Kaktus war zusammengefallen wie ein Soufflé und wies auf einer Seite ein paar kleine Löcher statt der vormals stacheligen Oberfläche auf….

Mir schwante Übles und ich ging auf die Suche nach meinen Katzen. Fatima konnte ich ohne Probleme zu mir rufen, aber Cäsar hatte sich versteckt. Als ich ihn fand, wurde mir einiges klar. Er war der Mörder! Woher ich das wusste, werdet ihr fragen: naja, er hatte versucht, die Stacheln aus dem Kaktus zu ziehen. Dabei waren ihm die Nachbarstacheln (ich weiß, eigentlich sind es ja Dornen) im Weg und hatten sich in seine arme Schnauze gebohrt – wo sie noch immer steckten. Sie zu entfernen war nicht lustig – weder für Cäsar, noch für mich. Schließlich waren alle Kakteen-Aanhangsgebilde entfernt und wir beide sahen aus, als hätten wir mit einem Dornbusch geschmust. Den Kaktus hatte diese multiple Dornenextraktion allerdings das Leben gekostet.

Warum ich euch das erzähle?

Nun, ich wollte verdeutlichen, dass ich wirklich versucht habe, diverses Grünzeug in meinen Wohnstätten zu platzieren.  Ich bin zwar ein reines *hüstl* Stadtkind, aber ich liebe Grünzeug. Ich dachte immer, es liegt daran, dass ich eben keinen „grünen Daumen“ habe. Ich konnte das mir angelesene Wissen noch so akribisch umsetzen, bei mir ging einfach nach einer Zeit alles sein…

Dann lernte ich meinen Männe kennen und durch eine glückliche Fügung bekamen wir diese Wohnung. Altbau – also wunderbar hohe Räume und große Fenster nach Nordwesten und Südosten. Dazu schöne, dicke Wände. Also auch toll breite Fensterbänke! Da Fatima und Cäsar nicht sonderlich an einem Schlafplatz oder Ausguck auf dem Fensterbrett interessiert waren (waren das wirklich Katzen?!?), konnte ich – mit fingerhutgroßen Hoffnungen – versuchen, etwas Pflanzliches aufzustellen…

Und was soll ich euch sagen? Hier gedeiht ALLES! Ok, Cannabis habe ich zugegebenermaßen noch nicht probiert und auch an schwierigen Blätterträgern, die wirklich Zuwendung brauchen, habe ich mich noch nicht versucht. Ich bin eine sehr nachlässige Pflanzenmutti – wenn ich daran denke oder sich irgendwo die Blätter traurig nach unten neigen, gieße ich. Ab und zu gibt’s Dünger. Aber mit dem Umtopfen hab ich‘s schon nicht so – viel Kleckerei und dreckige Fingernägel (ich hasse Gummihandschuhe). Also nur, wenn die Blumentöpfe bereits zu explodieren drohen oder ich das Gefühl habe, jetzt steigt die eine oder andere Pflanze vor Verzweiflung aus dem Topf und …. nimmt ihre Wurzeln in die Äste und rennt davon, opfere ich mich und wühle in der Erde, um den geschundenen Pflanzen ein neues, größeres Heim zu geben. Zudem habe ich oft nicht die Traute, die Pflanzen zurechtzustutzen – diese herbalen Amputationen zerreißen mir einfach das Herz. (Niemals werde ich mir einen Bonsai zulegen und ihn „formen“).

Aber so sehr ich eine schlechte Wohnungsgärtnerin bin, so wohl scheinen sich die Pflanzen trotzdem zu fühlen. Was für Erfolge könnte ich erzielen, wenn ich einen grünen Daumen und ein grünes Herz hätte! Zum Beweis hier ein paar Schnappschüsse von den Blühorgasmen meiner minimalistisch gehaltenen grünen Mitbewohner…

eine Dieffenbachie „Tropic Snow“ kriegt gerade Zwillinge (die alte Dame habe ich seit 1987 und schon etliche Ableger von ihr!)

Dieses Usambaraveilchen hat mir einst Soreylia geschenkt – sie hat diese Blume selbst aus einem Blatt gezogen. Ich fürchte, ich muss sie bald umtopfen, sonst springt sie bereits aus dem Topf…

Schwiegermutterzungen (Bogenhanf) blühen und vermehren sich hier wie Unkraut – auch als Hydrokultur (ist gut, weil diese Pflanzen extreme Säufer sind und ich so leichter mit dem Gießen zurechtkomme)

Mein Osterkaktus in Blühlaune

Und hier mein ganzer Stolz: Mein Drachenbaum
Er lebt schon seit mehr als 15 Jahren bei uns und hat völlig unerwartet beschlossen zu blühen!!! Schade, dass ich euch nur von dem süßen Duft erzählen kann… Die Rispe war mehr  als 30cm lang!
Hoffentlich war diese Blüte nicht sein Todesurteil – manche erholen sich nicht von der anstrengenden Blühphase.

Ich kann es kaum glauben, aber diese Orchidee – die ich zum 60er von meinem Männe bekommen habe, blüht bereits zum DRITTEN Mal! Mit mehr Blüten als je zuvor..

Ich bin überzeugt davon, dass dieses üppige Pflanzenwachstum nicht meinen wirklich nicht grünen Daumen zuzuschreiben ist. Es liegt offensichtlich schlicht an der Wohnung, ihrer Lage und ihrem Klima!

9 Kommentare on “Lage, Lage, Lage

  1. Das mit dem Stiefmütterlichen Gießen kommt mir sehr bekannt vor, jedenfalls bei meinen Zimmerpflanzen. Aber die haben sich dran gewöhnt und wachsen trotzdem weiter. Bogenhanf und Orchideen habe ich auch. Mindestens eine von meinen 5 Orchideen blüht immer. Zur Zeit blühen 2 und die dritte treibt grad eine Blütenranke aus. Viele meiner Pflanzen sind bei meinem vorletzten Umzug erfroren, der war im Winter und die alte Wohnung war nicht mehr beheizt, als wir die letzten Sachen aus der Wohnung geräumt haben, wozu auch meine Pflanzen und einige Kakteen zählten. Den süßen Duft kann ich mir gut vorstellen, denn wenn mein Porzellanstock blüht, rieche ich das eher, bevor ich die Blüten sehe. Mit Usambaraveilchen hatte ich noch nie Glück und eine blühende Dieffenbachie habe ich auch noch nie gesehen.
    Mir gefallen deine Pflanzen und ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Glück mit deinen Pflanzen.

  2. Ich habe mich köstlich amüsiert! Selbst wenn du über deinen Mülleimer schreiben würdest, könnte ich nicht mehr vor lachen. Deine Wortschöpfungen und Beschreibungen sind so was mit Komik vollgestopft, ich kann gar nicht genug davon kriegen…
    Das Usambaraveilchen ist ja ein Traum, so dichte Blüten.

    1. Welchen von unseren 6 Mülleimern/Mistkübeln/Papierkörben meinst du denn?
      Wir wohnen ja nur auf 62 qm, sonst hätten wir sicher noch mehr davon…
      Und wovon mir noch reichlich haben, sind Taschentuchboxen…
      Alles Wichtige muss man immer in Griffweite haben, oder? *schnäuz*😜

  3. Deine Pflanzen strotzen ja nur so vor Lebensfreude. Sieht toll aus!
    Bei mir ist es grad umgekehrt: ich giesse gern und viel und muss mich bei unsern Orchideen sehr zurückhalten. 🙂
    Und nun warte ich gespannt auf die Mülleimer-Story! ;-P

  4. Eine Blütenpracht…bunt und
    wunderschön anzusehen 👍👌. Der Beitrag enthält erstklassige Wortschöpfungen, habe beim Lesen gestaunt, wie du deine Wohnungsblumen in einem so interessanten Beitrag vorstellen kannst, sehr gut gelungen.☺👍👌

    1. Danke für die Blumen *hihi*
      Ich will euch ja unterhalten – und weil ich handwerklich so eine Niete bin, kann ich es halt nur mit Worten. Die können sich – hehe – so schlecht gegen Wechstabenverbuchselungen wehren 🤪 🤪 🤪

  5. Selune, wie schön sind Eure Pflanzen. Ich vermute, es ist alles zusammen: die Wohnung, die Atmosphäre, die Katzen, Ihr beide mit Eurer Stimmung – das potenziert sich eben. So quetscht sich mein Hundi gerne hinter den Sessel in den Erker – dort ist eben eine besonders gute Aura. Nach dem Umzug vor über 5 Jahren erging es meinen Gartenpflanzen ähnlich: sie wuchern die Hortensien, der Flieder, das Rosenbäumchen. Es ist eine Pracht, das zu sehen und ich bin froh, sie alle mit umgezogen zu haben. Wir fühlen uns hier alle so viel wohler und sind sehr dankbar für unsere Hütte nach dem stressigen Umzug.
    Lieben Gruß aus dem Oberbergischen
    Juddel

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