Ich war mir nicht bewusst, dass…

Ihr kennt die Webseite von Herrn Schönebaum – dem Organisator der Uli Stein-Ausstellungen…?
Da gibt es einen traurig-schönen Eintrag unter der Überschrift Goodbye.
https://ulistein.blogspot.com/
Aber das Foto… stimmt mich echt traurig. Nein, nicht dass er da mit einem lieben Hundi knuddelt. Ihr seht das doch auch… oder? ? Soo dünn sind seine Arme… Nun denke ich, dass er wohl selber viel mehr ahnte, als wir je vermutet hatten. Auch sein Notizbuch-Eintrag mit dem Massstab und der verbleibenden Zeit. Den hatte ich auch nicht so ernst genommen. Und seinen ‚letzten Eintrag‘ im Notizbuch hatte er ja auch schon vorbereitet. Ach, heute muss ich wieder mal tief seufzen… ?

10 thoughts on “Ich war mir nicht bewusst, dass…

  1. Um seine begrenzte Lebenszeit wusste er auf jeden Fall, mehrere Notizbucheinträge liessen darauf schließen. Das er seinen Fans noch einen selbst gestalteten Grabstein hinterließ, zeigt,wie ernsthaft und mit Leib und Seele er für seine Werte gelebt hat. Die Tiere waren sein Ein und Alles,wir können ihm am besten Gedenken,indem wir weiterhin für die Stiftung spenden. Trotzdem ist noch viel Trauer in mir,so manche Träne rollt noch.

  2. Man konnte da durch seine Fotos etwas erahnen. So wusste ich, dass Uli mit dem Nikon 4/200-400 ein Supertele hatte, spätestens zur Nikon D3 oder D4. Als er dann zu Hause seinen Grünspecht so klein im Bild erwischt hatte, wunderte ich mich, dass er nicht flux das 4/200-400 schnappte, statt nur 70-200mm und auch der Frage auswich. Unterwegs auf langen Wegen ist so etwas eine Last, aber daheim für schnelle Aufnahmen von Vögeln im Grunde ideal, schwer, aber ja nicht weit zu tragen.

    Beides hat den Gegenwert eines Kleinwagens. Kauft der Uli sich so etwas für seine Naturfotos, auch an der geliebten Imbißbude, nutzt es dann aber nicht, wenn der Grünspecht zu Besuch ist, dann wundert sich der geübte Hobbyfotograf.

    Auch schrieb er vor Jahren mal, dass er Hannover 96 Fan sei und so gern mal im Stadion Sportfotos machen würde. Er hat diesen Wunsch dann aber nicht mehr umgesetzt, schrieb auch, dass er im Winter gar nicht mehr ins Stadion ginge, ließ es dann wohl ganz.

    Wer solche Wünsche nicht umsetzt, die er sogar seinen Fans postet, dann eine vorhandene Kamera samt Tele mit zusammen 5 KG nicht nutzt, bei Vögeln auf 3,5 kg mit halber Brennweite ausweicht, der wird seine Gründe haben.

    Wie er zuletzt schrieb, hatte er von 500 Hunden zigtausende Fotos gemacht. Man geht pausenlos in die Hocke, bei den Hunden bis auf den Boden, rauf runter, mit schwerer Kamera. Das ist echte Arbeit und schafft auch einen gesunden Menschen.
    Dass Uli das bis zuletzt konnte, so auch konzentriert ausgezeichnete Fotos zu machen, ließ dann für den erfahrenen Hobbyfotografen indirekt gewisse Rückschlüsse auf Ulis Gesundheitszustand zu. Mit weit fortgeschrittenem Parkinson hätte er das längst nicht mehr können, sich also für seine Fotografie bis zum letzten Tag gequält, weil ihm das so wichtig war.
    Macht man das selbst, turnt also etwa bei Sportveranstaltungen 2 ganze Tage in Folge oder im Studio 2 1/2 Tage in Serie bis auf dem Boden herum, ist das mit 50 Jahren schon eine Anstrengung. Man kann dadurch also erahnen, was ihm wichtig ist, bis an die Belastungsgrenze zu gehen und wann körperliche Grenzen erreicht wurden, Uli sich leichtere Optionen wählen musste.
    Persönlich sah ich ihn noch fast genau ein Jahr vor seinem Tod auf der Alpaka-Farm, machte da auch das Foto mit dem Plüsch-Alpaka und er signierte mir und Manchis Frauchen noch je sein Hundebuch. Auf dem Foto vom April sah er schon mitgenommener aus, als noch vor einem Jahr, scheint inzwischen auch eine kleine Sony Systemkamera verwendet zu haben, statt seinem gewohnten Nikon-Geraffel, das er hatte, aus dem FF gekannt und geschätzt hat. Das war gewiss Marscherleichterung, weil es mit seiner gewohnten Kamera körperlich zu schwer wurde.

    Wir müssen seinen Tod wohl auch als Trost sehen. Ihm hätte mit Parkinson keine schöne Zeit bevor gestanden. Er wäre früher oder später auf Hilfe angewiesen und hätte schon vorher nicht mehr tun können, was ihm so wichtig war. Er liebte seine Arbeit, dachte gar nicht daran aufzuhören und machte es bis zum Schluss gern. Dann friedlich einzuschlafen, bevor ihm alles, was er gern tat, zur Last und unmöglich geworden wäre, ist dann auch ein Segen. Wir hätten ihm alle noch ein paar Jahre auf dem Lineal gegönnt, aber war das von uns nicht auch ein Stück egoistisch von uns?

    Genau die Zeit, die ihm alles zu schwer gemacht hätte, scheint ihm gerade so erspart geblieben zu sein. Ein großer Segen ist sicher, dass er bis zuletzt das tun konnte, was ihm Freunde gemacht hat, seine Arbeit, die so sehr sein Leben war.

  3. Ja, man neigt halt dazu, solche End-Gedanken immer etwas zu verdrängen und von gewissen Menschen hofft man, dass sie ewig leben. Aber ich bin auch froh für ihn, dass er nicht völlig hilflos in einem Pflegeheim dahinschwinden musste. Ich hoffe einfach, dass er am Schluss wirklich ‚friedlich‘ und quasi im Schlaf gehen konnte und nicht noch stundenlang, mit der Gewissheit zu sterben, im Bett liegen musste. Ich hätte ihm einfach noch ein paar gesunde Jährchen mehr gegönnt.
    Wie hat er mal in einem Interview gesagt: „Ein Künstler geht nicht in Ruhestand, er stirbt.“ ?

  4. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das Bild aus Schönebaums Blog ein Bild aus Bielefeld, Gleiches Lenin-T-Shirt und gleiche Fotoaufsteller. Und ich habe an dem Tag neben der Fotografin gesessen und durfte ebenfalls ein Bild machen. Immerhin hatte ich meine Nikon D7100 dabei. Den Schönebaum habe ich dort auch kennengelernt. Ich glaube sogar es war sein Hund. Oder war es der glatte in meiner Collage? Ich weiß es nicht mehr genau.

    https://ottimaks365.blogspot.com/2020/09/04-september-2020.html
    Ich habe das hier noch mal verlinkt und in groß eingebaut.

    1. Komisch, wieso wartet mein Beitrag auf Freischaltung?

      Redaktion: Weil da ein Link drin ist. Kommentare mit Links müssen erst manuell frei geschaltet werden.

  5. Ich werde mal dieser Tage einen Beitrag verfassen, vielleicht hilft dies jemand, mit dem Verlust eines Menschen ein ganz klein wenig besser klar zu kommen.

  6. Manchmal denke und fürchte ich, Uli Stein ist (auch)
    für die Tiere gestorben:(.
    Coronabedingt wurde allgemein weniger gespendet. Auch seiner Stiftung stand in den Monaten vor seinem Tod nicht so viel Geld zur Verfügung. Und die sich um Unterstützung bemühenden Vereine mussten vertröstet werden.
    Jetzt sieht es wohl anders aus….

    Eine Bekannte aus Bissendorf erzählte, er habe wenige Tage vor seinem Tod noch gemütlich bei seinem Stammitaliener gesessen und einen Espresso getrunken. Das, finde ich, ist ein schöner und beruhigender Gedanke.

  7. Hinterher glaubt man meistens, das es Anzeichen für bestimmte Begebenheiten gab, die man damals aber nicht erkannt hat. Selbst wenn man einen Menschen glaubt gut zu kennen, kann dieser plötzlich etwas tun, womit man nie gerechnet hätte…
    Natürlich ist es sehr schade, das Uli nicht mehr da ist, aber auf Andere angewiesen zu sein stelle ich mir schrecklich vor. Das wäre bestimmt nichts für ihn.
    Viele Grüße aus dem traurigen Thüringen.

  8. Nun, die Anzeichen, dass er plötzlich nicht mehr sich anbietende, aber halt schwerere Objektive nutzte, waren schon so deutlich, dass ich ihn verwundert fragte, aber er darauf nicht antworten mochte.
    In Coronazeiten in Pflege zu müssen hätte keinem gefallen, da wäre er wohl geplatzt, das sicher nicht seine Welt. Wir wissen ja durch seine Bilder vom „Teddy“, dass er bis zum letzten Abend aktiv war und auch zu seinen Fans Kontakt hielt. Das macht ja niemand, der „nichts mehr kann“. So betachtet war der Tod gnädig zu dem guten Uli, tröste ich mich dann immer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Please reload

Bitte warten...