eine weitere Weihnachtsgeschichte

Das Rentier -Desaster

„Da kommt noch eine Ladung!“ rief Gaspel von oben. Winkler, der unten schon wartete, machte ein paar Schritte zur Seite und sah nach oben, von wo im nächsten Moment eine Menge Heu geflogen kam. Winkler nahm seine Heugabel wieder in beide Hände und stopfte mit ihrer Hilfe das Heu in die Krippen. Normalerweise hätten die Wichtel die Rentiere nicht im Stall, sondern daneben auf der Koppel gefüttert, aber draußen tobte ein übler Schneesturm. Trotzdem mussten die Rentiere gerade heute viel Futter bekommen, denn es war Weihnachten und ob sich der Schneesturm nun legte oder nicht, sie mussten wie jedes Jahr den Schlitten durch den Himmel zu den Menschen fliegen.

Donner und Blizzen leckten sich in Vorfreude auf das gute Heu und die darin wie jedes Jahr versteckten Äpfel schon die Mäuler und versuchten, sich zu den Krippen vorzudrängeln. Von oben rief Gaspel: „So, da kommt die letzte Laaa…“, dann krachte es laut und der Wichtel landete zwischen Prancer und Comet, die erschrocken zur Seite stoben und dabei Rudolph rammten. Der verlor das Gleichgewicht und stolperte in den Schlitten. Es knackste und Rudolph sank neben dem Schlitten zu Boden. Als sich die Rentiere und Wichtel ein wenig gefangen hatten, sahen sie sich um. Rudolph lag immer noch und konnte sich nicht erheben. Sein rechtes Vorderbein war in der Mitte offensichtlich gebrochen und Rudolph entkamen immer wieder leise Schmerzenslaute. Alle starrten fassungslos auf die Bescherung – wobei das vielleicht nicht unbedingt gerade an diesem Tag der beste Ausdruck dafür war.

„Du meine Güte, was sollen wir jetzt machen?“ fragte Gaspel und kratzte sich unter dem Mützenrand. „Na, was wohl?“ rief Winkler. „Wir müssen sofort zum Weihnachtsmann, oder?“ Sprach‘s und rannte los, dicht gefolgt von Gaspel, der sich beeilte, Winkler nachzukommen. Atemlos berichteten sie dem Weihnachtsmann vom Unfall, der sofort in den Stall eilte, um zu sehen, wie es Rudolph ging. Nach einer vorsichtigen Begutachtung kamen sie alle zum gleichen Schluss: diesmal musste das Gespann ohne das Leittier mit der roten Nase losziehen. An jedem anderen Tag im Jahr wäre das ja nicht so schlimm, weil man Zeit genug hätte, um einen Ersatz zu organisieren, aber gerade heute und dazu noch bei diesem Wetter war das ein   Problem. Der Weihnachtsmann ging ins Haupthaus und holte mit Hilfe seiner magischen Schneekugel Hilfe aus dem Himmel. Kurz darauf bestätigte der von Petrus geschickte Tierarzt die Diagnose – das Bein war gebrochen und musste geschient und geschont werden.

Der Weihnachtsmann überlegte ein Weilchen und ließ acht seiner schlauesten Wichtel antreten – darunter auch Gaspel und Winkler. „Nehmt unsere treuen Rentiere und reitet, so schnell ihr könnt, hinunter nach Grönland! Weiter schaffen wir es heute nicht mehr. Seht zu, dass ihr ein Rentier auftreibt, das an Menschen gewöhnt und stark genug ist, um mit den anderen den Schlitten zu ziehen. Donner, du übernimmst die Führung, dann werden wir schon sehen, wohin wir den Ersatz stecken – wenn wir so schnell überhaupt einen finden!“ Er zog acht kleine Schneekugeln aus seinen Manteltaschen und gab sie den Wichteln, damit sie Kontakt mit ihm halten konnten. „Der Herr sei mit euch, meine braven Wichtel! Viel Glück!“ entließ er sie in den stürmischen Tag und wandte sich dem vierhufigen Patienten zu, der ihn mit traurigen Augen anblickte.

Die Wichtel bestiegen die Rentiere und machten sich auf die Suche. Als sie über Grönland angekommen waren, lösten sie die Formation auf und flogen, jeder für sich, in eine andere Richtung. Gaspel, den sein schlechtes Gewissen drückte, obwohl er eigentlich für den morschen Heuboden nichts konnte, machte sich in Richtung Ilulissat, das vielen Menschen unter dem Namen Jakobshaven bekannt ist, auf. Er wusste, dass es in der Nähe dieser Siedlung einige Rentiere gab, die aber wahrscheinlich nicht zahm waren. Naja, einen Versuch war‘s wohl wert. Durch das Schneetreiben war er gezwungen, ziemlich tief zu fliegen, was die Rentiere, die er entdeckte, sofort flüchten ließ. Missmutig wollte er wieder umdrehen, als er in einiger Entfernung ein Gehöft mit mehreren Hütten und eine halb offene Stalltüre sah, aus der Licht schien. Er bat Cupid zu landen und schlich zum Stall, um hinein zu lugen. Er konnte ein Pferd sehen, mehrere Gänse und …

Gaspel musste an sich halten, um nicht vor Freude laut los zu quietschen – da stand doch tatsächlich ein Rentier! Gut im Futter und kerngesund, soweit er das von der Tür aus sehen konnte. Schnell schlich er näher und flüsterte: „Hallo! Keine Angst, ich tu dir nichts!“ Das Rentier wandte sich in Richtung der Stimme um und schnaubte: „Wer bist du?“ „Ich heiße Gaspel und bin ein Wichtel,“ antwortete der Gefragte. „Und mit wem habe ich die Ehre?“  Das Rentier schüttelte sich und erwiderte: “Mein Name ist Junika!“ „Sehr erfreut!“ „Hmmm…. das ist ein Rentiermädchen – ob das wohl ein Problem ist?“, dachte Gaspel bei sich. „Aber sie ist stark und kann sicher den Schlitten ziehen – und das ist ja wohl das Wichtigste.“ Er begann hastig, Junika die Sachlage zu schildern und steigerte sich so sehr hinein, dass er zum Schluss auf die Knie fiel und zu bitten begann, sie möge doch ein Herz haben und ihnen im Namen von Weihnachten helfen.

Junika kannte Weihnachten schon, denn sie war im Jahr zuvor auf die Welt gekommen. Da ihre Mutter bald nach ihrer Geburt von Wölfen gerissen worden war und sie zu klein gewesen war, um den Anschluss an die Herde zu halten, hatte der alte Kalvangor sie mit auf den Hof genommen und mit der Flasche aufgezogen. „Perfekt!“, dachte Gaspel und fragte Junika, ob sie der Welt (Gaspel neigte wahrlich zu dramatischen Worten) helfen wolle. Junika schnaubte erfreut, denn sie hatte eine Abenteurerseele, und versprach, ihr Bestes zu geben. Gaspel fischte nach der Schneekugel in seiner Tasche und meldete dem Weihnachtsmann, dass er ein passendes Rentier gefunden hatte. Dem fiel sichtlich ein Stein vom Herzen, denn die anderen Wichtel hatten bisher keinen Erfolg gehabt.

Vorsichtig schlichen sie sich aus dem Stall zu dem hinter der Wand wartenden Cupid. Der hatte nicht damit gerechnet, dass Gaspel wirklich ein Rentier im Schlepptau haben würde, wenn er zurückkehrte. Als er merkte, dass das Rentier ein Mädchen war, blieb ihm die Schnauze offen und er schaute so dumm, dass Gaspel und Junika lachen mussten. Aber plötzlich verstummte Junika. „Ähm, wie kommen wir denn jetzt so schnell zum Nordpol? Das ist doch ziemlich weit weg?“ Gaspel aber kramte bereits wieder in seinen unergründlichen Taschen und zog einen kleinen Beutel hervor. „Das, meine Liebe, wirst du gleich merken!“ und streute einen glitzernden Staub über das Rentiermädchen. „Damit kannst du durch die Lüfte reiten!“ Junika schnaubte und sah Cupid fragend an: „Der bindet mir gerade einen Eisbären auf, oder?“ Cupid grinste und meinte „Ooooh nein, ganz im Gegenteil! Aber bewege dich ab jetzt vorsichtig, du kannst dich in mehr Richtungen bewegen, als du bis jetzt gewohnt warst! Versuch‘s mal und stell dir vor, du läufst einen Hügel hinauf!“

Junika tat wie ihr geheißen und merkte, dass sie den Bodenkontakt verlor. Als sie nach unten sah, war alles, was sie noch erkennen konnte, die grüne Mütze des Wichtels. Alles andere verschluckte der Schneesturm. Erschrocken ruderte sie mit den Läufen und merkte, dass sie in Schräglage kam. Plötzlich tauchte Cupid neben ihr auf und sagte: „Gaaanz ruhig! Du kann ja nicht runterfallen, also konzentriere dich und tu so, als ob du den Boden unter dir fühlen könntest.“ Während Cupid Junika die erste „Flugstunde“ – und das im Zeitraffertempo – gab, meldete sich Gaspel nochmals am Nordpol und versprach, so bald wie möglich los zu fliegen.

Junika war ein schlaues Rentiermädchen und hatte schnell begriffen, wie man sich in der Luft bewegt. Also stieg Gaspel wieder auf Cupid und sie machten sich zum Nordpol auf. Dort wurden sie schon sehnsüchtig erwartet. Alle – bis auf Rudolph, der, vollgepumpt mit Schmerzmitteln, in der großen Küche einen Platz neben dem Herd bekommen hatte und dort alsbald eingeschlafen war – standen im Stall und starrten neugierig auf die gerade landenden Drei. Der Weihnachtsmann hatte niemandem verraten, dass der Ersatz weiblicher Natur war. Er musste ein Lachen mühsam unterdrücken, als er die Gesichter seiner Jungs sah. Die starrten auf Junika und brachten keinen Ton heraus. Als die Sache peinlich zu werden begann, räusperte   Gaspel sich laut und sagte: „Meine Herren, ich darf euch Junika vorstellen, die sich freundlicherweise bereit erklärt hat, uns zu helfen.“ Als er alle miteinander bekannt gemacht hatte, drängte der Weihnachtmann auf ein paar Probeflüge mit dem Schlitten um die Siedlung herum. Junika sollte links hinter Donner fliegen, damit sie sich leichter anpassen konnte. Derweilen konnte der Weihnachtsmann mit Hilfe der Wichtel alle Geschenke in den großen Sack packen und diesen bereitstellen.

Da die Proberunden um die Siedlung gut gelaufen – oder vielleicht besser „geflogen“ – waren, luden die Wichtel die Geschenke in den Schlitten, der Weihnachtsmann bestieg, nachdem er die Rentiere und den Schlitten alle gut „eingestaubt“ hatte, das Gefährt und los ging die Reise über den Himmel! Wegen des Schneesturms hatte Donner große Mühe, sich in der Höhe zurechtzufinden – er musste schließlich tiefer gehen, um die Orientierung nicht völlig zu verlieren. Außerdem war er diese Position nicht gewohnt – er hatte noch nie als Leittier das Gespann angeführt. Er bemühte sich sehr, der Route zu folgen, doch irgendwie wich er dauernd vom Kurs ab. Das war aber kein Wunder, denn seine Kameraden hatten einen Anblick vor sich, den er als Leittier eben nicht hatte – Junika und ihre wirklich verführerische Kehrseite! Daher zogen seine Kameraden unbewusst den Schlitten immer wieder zu sehr nach links. Donner an der Spitze des Gespanns stemmte sich gegen den Sturm – und auch gegen den zunehmenden Linksdrall – als es auf einmal laut krachte und alle nur mehr Sterne und dann gar nichts mehr sahen.

In seinem verzweifelten Kampf gegen den Schneesturm und die Hormone seiner Gefährten hatte er den riesigen Baum nicht gesehen, der ihrem Flug ein jähes Ende gesetzt hatte. Als der Weihnachtsmann wieder zu sich kam, wusste er, dass seine Schwierigkeiten gerade erst angefangen hatten. Er stellte fest, dass er sich den rechten Arm und mehrere Rippen gebrochen hatte. Mit der Zeit erwachte das Häuflein Unglück, das von dem Gespann übriggeblieben war. Einige waren bis auf Schürfwunden unverletzt, aber Comet blutete am Huf, Vixen hatte die Hälfte seines Geweihs und einige Zähne eingebüßt, Dasher hatte eine blutige Flanke und Junika… das Mädchen hatte das Bewusstsein verloren und war nicht wach zu kriegen.

Der Weihnachtsmann suchte eilig seine Schneekugel hervor und kontaktierte den Himmel. Nun gab es nur mehr eine Möglichkeit, die Katastrophe zu verhindern: das Christkind musste sich um alle Geschenke kümmern. Außerdem mussten Tier- und Menschenarzt kommen – und irgendwer musste sie zurück zum Nordpol schaffen. Zwei Stunden – also eine gefühlte Ewigkeit – später packten die Wichtel am Nordpol die etwas ramponierten Päckchen in mehrere kleinere Säcke um, verteilten sie auf die unverletzt gebliebenen fünf Rentiere, die nun vor allem, war fahrbar und einigermaßen als flugfähig eingestuft werden konnte, gespannt waren. Dann verteilte das Christkind, das das Kommando übernommen hatte, eine gehörige Portion Flugstaub auf alle Gefährten und Fuhrwerke und erhob sich, selbst mit einem riesigen Sack beladen, in die Lüfte. Petrus war angewiesen worden, den Sturm abflauen zu lassen, damit nicht das Christkind auch noch zu Schaden käme. Die Wichtel bestiegen die Fahrzeuge und folgten dem Christkind, fest entschlossen, dem Weihnachtsmann keine Schande zu machen.

Der Tierarzt hatte Junika inzwischen untersucht und festgestellt, dass sie eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Auf sein Geheiß hatte man auch sie in die Küche gebracht und auf eine riesige Wolldecke gebettet. Das sah schon recht seltsam aus – mitten in der Küche links und rechts vom Herd ein Rentier – beide in tiefem Schlaf. Der Weihnachtsmann hatte einen Gips um seinen Arm und ein Paar Bandagen für seine Rippen bekommen – auch er sollte vorerst im Bett bleiben. Comet, Dasher und Vixen wurden im Stall versorgt und bekamen zum Trost einen ganzen Kübel voller saftiger Äpfel. Sie kauten genüsslich auf den Leckerbissen herum, da stockte Dasher der Bissen im Maul und er fragte Comet: „Glaubst du, die schaffen‘s noch? Und was ist mit Junika? Da stiehlt sie sich aus ihrem Heim weg und will uns helfen – und dann knallen wir gegen diesen Baum und bei ihr gehen die Lichter aus! Glaubst du, das wird wieder? Sie ist echt süß, oder?“ Da musste auch Vixen schief grinsen.

In der Küche allerdings war Junika wieder aufgewacht und hatte sich ein wenig gefangen. Ihr dröhnte zwar noch der Schädel, aber ansonsten schien alles in Ordnung zu sein. Nachdenklich starrte sie auf den schlafenden Rudolph, dessen gebrochenes Bein dick eingebunden war. Als sie ihn so betrachtete, bemerkte sie sein zweites hervorstechendes Merkmal: die rote Nase. Nun hatte Junika weder vom berühmten Rudolph gehört, noch jemals ein Rentier mit einer roten Nase gesehen – alle, die sie kannte, hatten braune, schwarze und mit weißen Flecken gesprenkelte Schnauzen. Er war scheinbar etwas Besonderes. Auf jeden Fall war er ein überaus stattliches Rentier – naja, bis auf das Bein, das so aussah, als ob er es lange nicht würde belasten können. Während sie ihn so betrachtete, regten sich Rudolphs Lebensgeister wieder. Er stöhnte und schlug die Augen auf. Zuerst wusste er nicht, wo er war, bis er den Raum erkannte – wobei ihm der Geruch nach Plätzchen wesentlich bei der Erinnerung half. Aber wer war das? Dieses Rentier kannte er nicht! „Wer bist du?“ fragte er und versuchte, sich in eine etwas weniger hilflose Lage zu bringen. „Mein Name ist Junika!“ meinte das Rentier und schnaubte. „Ich nehme an, wir sind im Flug irgendwo dagegen geprallt. Hoffentlich war nicht ich schuld – ich wollte doch nur helfen!“ Aber auch Rudolph wusste nicht, was geschehen war, denn bei ihm waren die Lichter schon ausgegangen, bevor Junika am Nordpol eingelangt war.

Ihnen blieb wohl nichts anderes übrig, als darauf zu warten, dass jemand kam und ihnen erzählte, was geschehen war. So fragte Rudolph Junika über ihr noch nicht gar so langes Leben aus und erzählte ihr von seinen Abenteuern, die er schon mit dem Weihnachtsmann und seinen Rentierkumpels erlebt hatte.

Inzwischen hatten das Christkind und die Wichtel alle Hände voll zu tun. Sie hatten nur so wenig Zeit und so viele Geschenke abzuliefern! In seiner Hast wäre das Christkind ein paar Mal fast entdeckt worden, denn es hatte einfach nicht die Muße zu lauschen, ob auch niemand in der Nähe war, als es die Geschenke deponierte. Ab und zu blieb es mit seinen goldenen Locken in den Christbaumnadeln hängen, bis es die Päckchen einfach so weit von den Bäumen weg wie möglich auf den Boden stellte. Als es bereits zu dämmern begann, aber noch eine Menge Geschenke am Boden der Säcke übrig waren, stellte sie das Christkind einfach vor die Haustüren, damit sie wenigstens überhaupt irgendwie ausgeliefert wurden. Es war ihm bedeutend lieber, wenn sich die Menschen zwar darüber wunderten, dass die Geschenke vor der Tür standen, als wenn sie mit leeren Händen ausgingen. Das Christkind wies die Wichtel an, genauso zu verfahren – und so schaffte es die Truppe, sich tatsächlich beim ersten Sonnenstrahl wieder aus dem Staub – oder besser gesagt – Schnee zu machen. Wieder am Nordpol angelangt, ließen sie sich erschöpft im Haupthaus nieder und verschnauften ein wenig. Dann sahen sie nach dem Weihnachtsmann, der allerdings noch in tiefem Schlaf lag. So schlichen sie vorsichtig zur Küche, um nach den beiden Verwundeten zu schauen. Auch sie lagen in Morpheus‘ Armen – eng an einander gekuschelt. „Da sieh‘ sich doch einer unseren Rudolph an! Während wir uns halb totarbeiten, spielt er Don Juan und krallt sich Junika! So ein Schwerenöter!“ Alle lachten leise, wenn auch einige etwas gekünstelt.

Sie trollten sich wieder und gingen in den Stall, um Dasher, Comet und Vixen zu erzählen, was sie erlebt hatten. Sie taten sich am Heu und den wenigen verbliebenen Äpfeln gütlich und berichteten, wie knapp die Sache ausgegangen war. Das Christkind verabschiedete sich, bat die Wichtel, dem Weihnachtsmann liebe Grüße auszurichten und machte sich wieder auf den Weg in den Himmel, wo es wahrscheinlich erst einmal alles haarklein würde erzählen müssen, bevor es sich endlich würde ausruhen können.

Junika allerdings blieb am Nordpol. Ihre Gehirnerschütterung war bald ausgeheilt – obwohl sie so tat, als ginge es ihr nur langsam besser – denn sie hatte großen Gefallen an Rudolphs Gesellschaft gefunden. Das entging auch den anderen Rentieren nicht. Auch der rotnasige Renhirsch hatte sich bis über beide Ohren in die junge Rentierfrau verliebt – und schon bald sprach der Weihnachtsmann – ähnlich einem Kapitän auf hoher See – seinen Segen zum Ehebund aus. Fliegen allerdings sollte Junika für eine längere Weile nicht mehr – zum einen hatte der Weihnachtsmann Angst vor einem neuerlichen Unfall – er traute seinen Rentierjungs in dieser Beziehung nicht mehr über den Weg – zum anderen sollten trächtige Rentiere sicherheitshalber den Boden nicht unter den Füßen verlieren. Sollte das Kälbchen allerdings ein Junge werden, so würde sich Junika sicher nicht davon abhalten lassen, ihm persönlich die ersten Schritte in den Himmel über dem Nordpol zu zeigen…

erzählt von Selune A.D. 1013

16 Kommentare on “eine weitere Weihnachtsgeschichte

  1. Eine lustige Rentierherde können wir auf dem Bild bewundern, dazu eine herzige Weihnachtsgeschichte….das ist eine schöne Wochenmitte 👍😺☺. Tolle Beiträge von Selune, schön, dass wir daran teilhaben dürfen 🤗

  2. Danke Selune, sehr gefühlvoll und vor allem: mit Happy End !!! War nett zu lesen – was für eine Phantasie-Begabung – könnte für Kinderbücher taugen.

  3. Danke vielmals für die lobenden Worte!

    @Juddel: Schreiben, wenn man gerade eine Eingebung hat, ist ziemlich einfach. Wenn man allerdings unter Druck Ideen „am laufenden Band“ haben soll, macht sich – zumindest bei mir – oft gähnende Leere im Kopf breit…
    Mit Kinderbüchern habe ich – zumindest hab ichs noch nie ausprobiert – eigentlich nix am Hut. Meine Geschichten sind wohl eher für „Junggebliebene und solche, die es bald werden wollen (oder auch nicht).
    Und: Meine Geschichten haben so gut wie immer ein Happy End – mit was anderem kann ich mich nicht zufrieden geben! Die Welt ist meist grauslich genug.

    @Alle, die die Geschichten mögen: Ich freue mich SEHR, diese Geschichten mal eine größere Gruppe als der ursprünglichen (Soreylia und mir) lesen lassen zu dürfen. Leider hat Soreylia das nicht mehr erleben können. Von der ganzen Sammlung – die 24 Geschichten umfasst und daher sowas wie unser Adventkalender war – gibt es genau 4 gebundene Exemplare…
    Danke, dass ihr mir die Möglichkeit gebt, diese Geschichten mit euch zu teilen – auch im Namen von Soreylia, die – ganz vielleicht – da oben auf einer Wolke sitzt und vor Freude ein Tränchen zerdrückt…

  4. Weiblicher verführerischer Rentierhintern, lüsterne Rentierjungs, und das in einer Weihnachtsgeschichte. Ob da nicht ein paar Genderbeauftragte durchdrehen? 🙂 Na gut, immerhin hast du ja eine Frauenquote im Gespann. Zum richtigen Happy End fehlt mir übrigens noch was. Der alte Kalvangor wird doch seine Junika vermissen, er weis doch gar nicht wohin sie verschwunden ist…
    Ich freue mich schon auf die nächste Geschichte und finde es auch sehr schade, das Soreylia sich nicht mehr hier mit uns zusammen darüber freuen kann.

  5. Soso, Gerd hat also wohl verstanden, warum ich nicht zur Kindergeschichtenerzählerin tauge…
    Diese Welt ist mehrheitlich im Männchen und Weichen geteilt – und sowas kommt dann von sowas 😜
    Kalvangor wollte Junika doch sowieso wieder in die Herde eingliedern. Ist halt jetzt eine andere Herde geworden. Was mich persönlich interessieren würde: Hat das Kälbchen dann auch eine rote Nase? Aber das wollte mir die Geschichte leider nicht verraten…

  6. Bin ich froh, dass ich als Admin das Chauviabo automatisch im Paket habe. Aber ob das auch für die Gerdshow gilt oder er hier noch als Frauenbeauftragter gendergerecht umalpakaisiert wird, wird sich noch zeigen. 😊

      1. Gerd, heute hat mich Facebook 24 h gesperrt, weil jemandem meine Worte zu hoch und der Schiri bei Fratzenbook zu blöd war deutsche Wortschöpfungen im Kontext zu schnallen. Ich nehme es sportlich, mache mich schlapp und freue mir eine Tüte Kekse, dass unsere krasse Truppe hier nicht einmal Regeln zu diskutieren braucht. Wohl auch, weil alle mehr Hirn und Humor haben als User und Firmenknechte bei Facebook. Herr, lass Hirn regnen.

        1. Ich bin gar nicht erst bei Facebook, tue ich mir nicht an. Was anderes, was ist den das empfehlenswerteste Reinigungsset, oder Reinigungswerkzeuge für eine DSLR?

    1. Ähm…
      Ich weiß, passt hier vielleicht nicht ganz rein, aber ich werde dauernd aufmerksam gemacht, dass ich den Administrator benachrichtigen soll, weil WordPress 5.6 erschienen ist.
      *Adminaufmerksammach*
      Müssen wir also auch updaten?

      Hülfe, ich hab mir über Gendering, Frauenquote und so Zeug beim Geschichtenschreiben überhaupt keine Gedanken gemacht *schrecklichfind*
      Und: jetzt ehrlich, hätte ich Junika zum Junikus machen und schwul sein lassen sollen? Ob da auch nur einer der anderen Rentierkumpels interessiert gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln…
      Naja, vielleicht gibts wo einen schwulen Wichtel am Nordpol – ein maximalpigmentiertes Christkind und die Frau des Weihnachtsmanns ist Mormonin…. *schreiendindenWaldrenn*

      1. Der Weihnachtsmann-Nachwuchs ist divers, Junika/us jüdischen Glaubens, der Weihnachtsmann ist der Patenonkel von Greta Thunberg und der alte Kalvangor hat ein E-Auto und keine Ladesäule. Ach ja, der Flugstaub ist biologisch abbaubar und wird in einer Behindertenwerkstatt aus nachwachsenden Rohstoffen, vom Biohof, hergestellt. So, jetzt haben wir alles politisch korrekt. Noch was, der Wald, das geht auch nicht. Also, ich *schreiendindieWaldinrenn*, da stehen Bäuminnen und am Himmel sind Wölkeriche.
        Ich glaube, wir sind zu alt für diese S…

  7. Was hatten wir doch früher für eine unkomplizierte Kindheit ohne das ganze Gezänke, ob es auch Gendergerecht ist…
    Die Geschichte finde ich schön. Gern mehr davon. Für mich muß auch nicht die Frauenquote stimmen. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.