AGS – arme geplagte Schwestern

Das hätten Soreylia und ich sein können – wären wir Erdmännchen…
(oder vielmehr: Erdweibchen, wenn’s die denn gäbe)

Was das soll, ist eigentlich einfach und schnell erklärt:
Soreylia und Selune – oder Brigitte und Karin, wie wir mit bürgerlichen Namen heißen – haben vor einigen Jahren zum Frustabbau einige kleine Anekdoten aufgeschrieben. Also Geschichten, die wirklich so passiert sind. Ich habe sie beim Kramen in den Festplatten entdeckt und glaube, sie könnten euch ein wenig aufheitern oder sogar zu Ähnlichem inspirieren. Wir jedenfalls konnten durch das Niederschreiben dieser kleinen Geschichten, die das Leben schreibt, wieder befreit darüber lachen oder amüsiert den Kopf schütteln…

Solltet ihr Gefallen daran finden und euch ein wenig über uns zerkugeln, wundern oder erleichtert sein wollen, dass euch solche Sachen nicht passiert sind, werde ich euch gerne mit unseren Erlebnissen öfter unterhalten!

Hier eine Geschichte, die sich im Sommer 2015 in Soreylias Leben zugetragen hat:

Sind sie gestürzt?

07.07.2015. Heute war der Tag, an dem ich meine erste Gipskontrolle hatte. War zwar von meiner Sicht der Dinge nicht wirklich notwendig, aber wenn es die Ärzte für richtig finden, muss man halt raus in die Gluthitze. Die Wetterfrösche meinten in der Früh, dass es heute der heißeste Tag des Jahres werden wird. Aber meine Sicherungen sind nicht deshalb fast durchgebrannt…

Wenig motiviert kam ich nach Gersthof, meldete mich am Schalter an und war mir bewusst, dass das länger dauern wird. In dem kleinen Gang vor den Kabinen schien die Sonne herein und trotzdem die Rollos heruntergezogen waren, war es dort ziemlich heiß. Also suchte ich mir ein Plätzchen nahe der offenen Tür.  Da saß ich nun – bewaffnet mit einem herzigen chinesischen Fächer, man will sich ja was Gutes tun und harrte der Dinge, die da kommen würden. Neben mir saß eine ältere Dame, die sehr freundlich in die Welt blickte. Ich fächelte. „Einen schönen Fächer haben sie…“, hörte ich sie sagen. Dann fiel ihr Blick auf mein gegipstes Bein und sie fragte voll Mitgefühl: „Sind sie gestürzt?“ Mit diesem Satz nahm das Schicksal seinen Lauf…

„Nein, ich bin nicht gestürzt. Ich wurde operiert,“ hielt ich die Antwort kurz aber freundlich. Sie gab sich vorerst damit zufrieden. Vorerst. Nach einer kleinen Weile sah sie entsetzt auf mein Bein und meinte: „Sie haben ja einen Gips! Sind sie gestürzt?“ „Ich bin nicht gestürzt“ antwortete ich abermals. Die liebe Dame schüttelte bedauernd den Kopf.  „Was alles passiert…“ Ein Herr, der vis a vis saß, schmunzelte verhalten.

Nichts geschah. Kein Name wurde aufgerufen und ich beobachtete das Treiben in der immer heißer werdenden Aufnahme. Ich spielte mit dem Gedanken mir ein kühlendes Getränk zu kaufen, wusste aber, dass ich hinterher noch viel mehr schwitzen würde. Also ließ ich es bei dem Gedanken.

Die Dame neben mir sah interessiert in der Gegend herum und irgendwie blieb ihr Blick wieder an meinem lädierten Bein hängen. „Was haben denn sie gemacht? Sind sie gestürzt?“ „Nein, ich bin nicht gestürzt. Der Fuß wurde operiert.“ „Wie lang haben sie den Gips denn schon?“ Die Unterhaltung wurde etwas ausführlicher. Ich dachte, vielleicht merkt sie sich dann, dass ich nicht gestürzt bin.  „Seit dem 12. Juni. Ist schon mühsam bei der Hitze.“ 

„Ist was gebrochen – sie sind ja gestürzt?…“ „Nein, ich bin nicht gestürzt…“ sagte ich, „…ich wurde am Fuß operiert, deshalb habe ich den Gips.“ „Was wurde denn operiert?“, kam die vorsichtige Frage. Sie ist mein Schicksal, dachte ich – also… „Meine große Zehe wurde operiert…“ -und noch bevor ich den Satz zu Ende hatte sagte sie mit einiger Hingabe: „Das kommt vom Sturz – Sie sagten ja, dass sie gestürzt sind. Oder?“ Der Herr vis a vis lächelte mitleidsvoll, was mir aber auch nicht wirklich half. Ich erklärte zum x-ten Male, dass ich nicht gestürzt war, hatte aber die Hoffnung aufgegeben, dass ihr Interesse im Sand verlaufen würde.

Das ging so eine gute halbe Stunde lang alle paar Minuten und sie ließ mich immer wieder stürzen und sich von ihrer Frage nicht abbringen. Ich hatte mir auch schon kurz überlegt was sie wohl sagen würde, wenn ich sagte, ja ich bin gestürzt. Aber dazu konnte ich mich auch nicht aufraffen. Inzwischen waren schon alle Stühle besetzt und endlich wurde der erste Patient aufgerufen. Es war einer, der vom Haus war. Das erkannte man daran, dass er in einem Bett lag, aus seinem Arm noch einige Schläuchlein hingen und – sein Fuß frisch verbunden aus dem Bett ragte. Als er vorbei geschoben wurde sagte die alte Dame verschwörerisch zu mir: „Der ist sicher gestürzt…“. Kein Kommentar von mir. Dann war eine kleine Weile Ruhe.

Dann kam die unvermeidliche Frage: „Ich habe gesehen, sie haben einen Gips. Sind sie gestürzt? Tut das jetzt sehr weh? Sie müssen ja Schmerzen leiden! Wie weit geht er denn hinauf, der Gips? Das muss doch unangenehm sein – bei der Hitze!“

 Hiilfeee!!!

„Ich bin nicht gestürzt. Wissen sie, ich hatte eine Operation, deshalb der Gips.“ Ich wollte ihr schon fast meine ganze Leidensgeschichte erzählen in der Hoffnung, solange ich rede fragt sie mich nicht, ob ich ge… – da kam die erlösende Durchsage: „Frau Benda, Kabine 2“. Ich war erleichtert und ging in Kabine 2. Meine liebe Ärztin begutachtete meine hinderliche Fußverpackung und bestellte mich zufrieden in zwei Wochen wieder.

Beim Gehen verabschiedete ich mich von den anderen Wartenden mit einem freundlichen „auf Wiedersehen und baldige Besserung!“ Als ich bei der Dame vorbeiging sagte sie fast tadelnd: „Auf Wiedersehen. Und geben sie Acht, dass sie nicht wieder stürzen!“ Etwas verwirrt überlegte ich, was die Dame wohl gehabt hat… ich weiß es nicht.

Vielleicht war sie gestürzt?…

15 Kommentare on “AGS – arme geplagte Schwestern

  1. Bitte bitte bitte, mehr solcher Geschichten! Habe mich köstlich amüsiert. So gut geschrieben, saß mit im Wartezimmer. Ich war der Herr vis a vis!
    Ich hoffe, es lesen alle die Geschichte im sitzen. Nicht das noch jemand vor lauter lachen stürzt. 😹

  2. Ich schließe micht Gerd an. Bitte bitte bitte, mehr solcher Geschichten.
    Ich freue mich jedes mal, wenn Du wieder eine Geschichte gepostet hast.

  3. Seltsamerweise hatte ich die Geschichte schon am Sonnabend Abend gelesen, war aber nicht gleich zum Antworten gekommen und dann war sie plötzlich weg. Ich habe herzlich gelacht und Soreylia auch sehr bedauert und auch bewundert, ob der Geduld. Man will ja da auch nicht unhöflich zu einer alten Dame sein.
    Das Ganze hat mich ein bisschen an die letzten Wochen mit meiner SchwieMu erinnert. Sie war zuletzt im Altenheim, da die Demenz immer mehr zunahm und immer wenn wir mit ihr einen Spaziergang (im Rollstuhl) an der Elbe unternahmen, kam immer die Bemerkung „…aber der Wind ist heute frisch“. Egal ob leichter Luftzug bei fast 30 Grad oder doch herbstlichen Temperaturen mit wirklich straffem Wind.
    Und natürlich würde ich ebenfalls gerne mehr solche Geschichten lesen. 😊

    1. Ja, zu meiner Überraschung war mein Beitrag sofort online – ich habe selbst kugelrunde Augen gemacht. Dann habe ich gesehen, dass da zwei Tests – einer war glaub ich von Gerd (?), der andere von Renata (??) waren, wo eigentlich die Beträge sind – also hier. Ich habe angenommen, da wird jetzt von zwei willigen Herlferlein der Website herumprobiert und herumgefeilt. Denn sonst muss ja jeder Beitrag erst genemigt sein und dann geht er in Planung. *aufgepassthab*

      Admin: So ähnlich war’s. Gerd und Renata helfen bei der Moderation der Kommentare, aber für entsprechend differenzierte Freigabe von Rechten braucht man eine Erweiterung von WordPress. Da gibt es zwei, die aber nicht sooo wirklich kompatibel zur aktuellen Version sind, also entweder nicht die gewünschte Funktion frei schalten oder wenn, dann mit allerlei Nebenwirkungen. Deswegen hatte ich für meine motigen Hilfssherrifs je ein Testbeispiel zur Moderation hinein geschubst.

      Ich habe dieses Anekdötchen reingestellt, damit in in einer Saurengurkenzeit was da ist – es gab ja schon einige Tage ohne Beitrag (Ich konnte Sams- und Sonntag ohne Ulis sonst tägliche Bilder auch nur wie ein Verdurstender in der Wüste in der Hoffnung auf eine neue Woche überstehen).
      Mal sehen, welche kleinen Erlebnisse folgen…

      Admin: Ja, ich freue mich über fleißige aktive Steinfans, kann dann immer ein paar Tage im voraus Beiträge planen. Insbesondere Du Selune, Gerd und Renata sind da sehr fleißig, aber ich kann auch alle anderen nur ermutigen hier mal zu schreiben.

      1. *aufgepassthab* Richtig! Im Livechat ganz nach unten scrollen, da steht des Rätsels Lösung. Es geht mir wie dir, ein Tag ohne Beitrag hier, ist wie ein Tag ohne Sonnenschein. Ich war schon traurig, als Uli verkündete Samstags nichts mehr zu veröffentlichen.

        1. Stimmt genau, er hatte auch geschrieben, erst am späten Vormittag kommen neue Einträge ins Notizbuch. Er möchte gern etwas noch schlafen morgens. So habe ich mich dann in „Geduld „gefasst,denn ein Tag ohne Notizbuch war traurig…und nun müssen wir ganz verzichten. Aber😉nun können wir uns auf viele schöne Geschichten von Selune und Gerd usw sehr freuen,manchmal kommt da eine lustige Unterhaltung zustande, in diesem Sinne….auf geht’s 😉☺🖐👍

      2. Hmmm… Nachdem die Erklärungen unseres geschätzten Admins in meine Antwort auf Marikas Kommentar eingefügt wurden, bin ich jetzt neugierig, was da stehen wird: Antwort von Selune auf Kommentar von Selune? 😂

        fliege

        Ich weiß schon, warum ich kein Hilfssheriff und schon gleich gar kein Sheriff sein will – erstens bin ich ein Superhonk bei diesem digitalen Zeugs, zweitens hatte ich mal einen Fanclub – das war DIE HÖLLE! Ist zwar lange her – damals begannen wir noch im Zeitalter der Nadeldrucker – aber die Erfahrungen sind mir unvergesslich.
        Da versuche ich lieber, euch mit irgendwas Nettem zu unterhalten – bei Fotos kann ich aber zumindest einigen von euch nicht das Wasser reichen – mit meinem kleinen Pipsiknipsi 😌
        Also vielleicht lieber Geschichten…. und vielleicht ab und an einem gelungenen Schnappschuss oder so…

          1. Insektenspray? Beim Insektensterben heutzutage? Fang es mal schön behutsam ein und bringe es dorthin, wo es sich wohl fühlt. 😇 Im Ernst, wer in seinen Kommentar lebende Insekten einfügt, kann kein „Superhonk bei diesem digitalen Zeugs“ sein.

          2. Manno, ich wollte schon auf meinen Computer schlagen. Aber da hab ich mich gefragt, wo im Winter ein so lebhaftes Tier herkommen soll…

            Admin: LOL

          3. Tja, da ich auf diese Insektenattacke und den freundlicherweise gespendeten Spray – auch wenn er riesig ist – nicht direkt antworten kann…
            ICH bin der Superhonk – und nicht dieses schalkhafte Genie – *maldenAdminschräganguck*
            Ich verwanze doch nicht meinen eigenen Kommentar!!! *irks*
            Ähm…
            WAAAHHHHHH!
            Ich hab doch ein Aquarium!!!! *Fensteraufreiss*
            MalauchstrengGerdanguck*
            EIN kleines Insekt und SO NE RIESENSPRAYFLASCHE! Jetzt schwimmen sicher gleich meine Fische Bauch oben 🙁

  4. Ich hatte ja immer sehr gestaunt und bewundert, dass Uli seinerzeit täglich einen Eintrag für uns ‚produzierte‘ und fand es mehr als verständlich, dass er dann doch mal am Wochenende verschnaufen wollte. Jeder Mensch muss doch mal frei haben. Aber ja, die Vorfreude jeweils auf Montag war auch bei mir immer gross… those were the days. 😕

    Die heutige Geschichte hier habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen – wie man so sagt. Denn die ältere Dame tut mir natürlich leid – ich stelle mir dann immer vor, wie sie ihr Leben sonst noch so meistern kann… und dann frage ich mich, was ich später wohl mal erlebe – selber oder mit meinen Eltern … und ach ja… ihr seht: die Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber aus Soreylias Sicht natürlich echt filmreif und bewundernswert – ich weiss nicht, wie ich selber da reagiert hätte… 😊
    Jedenfalls war es spannend zu lesen und auch ich sage: gerne weiter so.👍

  5. Bei der Geschichte kann ich richtig mitfühlen. Habe auch ab und zu solche ähnlichen Erlebnisse. Und weißt du, was mein heute am meisten gehörter Satz war?
    „Was bringen Sie denn für sch… Wetter mit?“
    Auch ich würde mich über weitere Geschichten freuen.

  6. Das ist eine schöne Geschichte.

    Vor allem auch, weil man auch im Kontakt zu dementen Personen viel über sich selbst lernt. Vor ein paar Wochen war ich in einer Klinik und aus Platzmangel hat man mich zu einer älteren Dame mit Demenz gelegt. Sie meinte die ganze Zeit in einem Hotel zu sein, mein Bett würde ihrem Mann zu gehören und ich solle gefälligst verschwinden. Auch hier konnte ich nur immer wieder mit der Wahrheit antworten. Und es wurde besser mit der Zeit. Wir haben 5 Tage miteinander in dem Zimmer verbracht und aufgrund der Tatsache, dass sie ja nichts dafür konnte, war ich seltsamerweise nicht mal genervt, allerdings doch ziemlich gefordert.
    Ich stelle es mir nur sehr schlimm vor, wenn die Person aus dem persönlichen Umfeld kommt und man sie „vorher“ kannte.
    Und meine Bewunderung an die Pfleger und Pfegerinnen auf der Station im täglichen Umgang mit diesen Menschen.

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