AGS – arme geplagte Schwestern 2

Ich höre dich – ich höre dich nicht

oder

die seltsame selektive Taubheit

Mein geliebtes Ehegespons rühmt sich seit Jahren eines besseren Hörvermögens als des meinen. Nun, zum Teil stimmt das tatsächlich, da ich schon in Studienzeiten bereits einige Frequenzen nicht bzw. nur schlecht wahrnehmen konnte und seit meinem Schlagerl leider auch noch die linke Seite Einbußen hinnehmen musste. Dafür höre ich Frequenzen, die eher in Richtung der Kategorie Flughund/ Fledermauslauschen fallen – nur kann ich leider weder so elegant fliegen, noch mag ich Rinderblut – oder ein Maul voller Insekten. Und kopfüber hänge ich auch selten rum – würde meinem Blutdruck (und den Dachbalken, an denen ich baumeln würde) auch gar nicht guttun.  Kurzum, was ich hören soll und will, kann ich oft nur unzulänglich, alles, was dafür lästig und irritierend ist, surrt – für die anderen unhörbar – am Rande meiner Hörschwelle herum und macht mich oft halb wahnsinnig.

Ganz anders liegt die Sache bei meinem Lebensmenschen. Er sieht im Wohnzimmer fern, so leise, dass ich es – gerade noch, wenn ich nichts anderes tue und verbissen lausche – hören kann, aber mich dabei plagen muss. Ok, ich bin ein bissl derisch, zugegeben.

Und gerade deshalb verstehe ich etwas ganz und gar nicht:

Mein Schatz kann offensichtlich doch Einiges nicht oder nur sehr mangelhaft wahrnehmen. Beispiel gefällig? Es gibt hunderte…

Er liegt und guckt fern.
Ich: „Schau mal, was auf ORF2 läuft!“
Er: ….. keine Reaktion.
Ich warte ein bis zwei Minütchen, dann wiederhole ich meinen Wunsch.
„Huhu!!!! Dreh mal auf ORF2!“
Aber jetzt sollte er’s gehört haben.
Denkste! Erst beim dritten Versuch klappt es. Kann passieren. Ach ja?
Anderes Beispiel: Er sitzt beim Computer und ergibt sich dem WoW-Fieber. Ok, soll er, ich bin ja auch am selben Spiel erkrankt – seit Jahren.
„Maus?“
Schweigen.
„Mausi?!?“
„HUHU! MAUSBÄR! HÖR MAL….!“

Ok, Spiel ist wichtiger als eine Reaktion auf die „Alte“. Allerdings ist es ziemlich nervenaufreibend, dauernd alles ein paar Mal ankündigen zu müssen – ist wie um eine Audienz bei Louis XIV. zu bitten.

Wenn ich ihn um irgendwas bitte, kann es geschehen, dass er es bewusst überhört – ok, das machen sicher viele. Frei nach dem Motto: „Habe ich nie nimmer nicht gehört, also muss ich’s auch nicht machen. Wenn ich mich lang genug taub stelle, macht sie es sicher selber, die ungeduldige Kuh!“ Wobei er damit – *grummel, grummel* – leider oft recht hat.

Interessant wird es allerdings, wenn ich ihm von irgendetwas erzähle und er am nächsten Tag oder sogar nach einer Stunde Stein und Bein schwört, das hätte er nie gehört – ich habe ihm das SICHER nie gesagt. Ich mag vielleicht nicht sonderlich gut hören, aber mein Gedächtnis ist das einer Elefantenkuh! Und die vergessen bekanntermaßen nichts – auch nicht die kleinste Kleinigkeit. Ich weiß zwar von einer Sekunde auf die andere nicht mehr, was ich wo hingelegt habe, weshalb ich aus dem Zimmer gestiefelt bin oder was ich vor einer Minute noch dringend erledigen wollte, aber was ich wann wem gesagt habe, DARAN erinnere ich mich dummerweise sehr genau.

Nach langer und reiflicher Überlegung dieses Phänomen betreffend bin ich zu folgender Erklärung gekommen: Bei meinem Gemahl hat sich eine biologische Evolution vollzogen. Jedes Mal, wenn er den ersten Laut von mir wahrnimmt, blockieren seine Nervenbahnen, was das Erlauschen meiner Stimme betrifft. Alles andere scheint er weiterhin wahrzunehmen – obwohl diese akustischen Reize bestimmt um etliche Dezibel leiser als mein Organ sind! Ich vermute sogar, dass dies mittlerweile nicht mal mehr absichtlich geschieht – ist wohl einfach automatisiert worden, etwa so wie Gehen, Atmen oder Ähnliches. Wenn ich es nicht schon heimlich beobachtet hätte und somit weiß, dass er nicht in der Lage ist, es zu tun, ich würde schwören, dass er seine Ohrläppchen einringelt und in den Gehörgang stopft – unbewusst und ohne Zuhilfenahme seiner Hände!!!

Vielleicht…. so als kleine Überraschung… zücke ich einmal ein Megaphon und PLÄRRE IHN NIEDER! Ob er das dann auch überhören wird?

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Dieser „Frustabbau“ ist 2013 entstanden, als es gerade schlimm war. Inzwischen hat sich das komischerweise ziemlich gelegt. Allerdings bin ich gerade wirklich froh, dass das Smartphone meines Lieblingsmenschen nicht, wie bei den meisten anderen… Menschen *hüstel*…. an den Körper angewachsen zu sein scheint und er nicht wie die meisten Leute alle zwei Minuten draufstarrt.

Nicht lange nachdem ich das niedergeschrieben hatte, las ich einen wissenschaftlichen Bereicht, der mich kurzzeitig mutlos machte:

Je näher einem der Lebenspartner ist, desto leichter überhört man ihn – nach dem Motto: Wenns was Wichtiges ist,wirds eh wiederholt. Damals überlegte ich mir die Anschaffung eines Papageis zur Schonung meines Nervenkostüms und meiner Zähne, die durch das Knirschen schon zu splittern drohten…

15 Kommentare on “AGS – arme geplagte Schwestern 2

  1. Aha, die Website sieht jetzt ein bisschen anders aus! Kaum gewöhnt man sich, flugs ändert sich’s…
    Lol, diese Unterhaltung unter Fledermäusen ist KÖSTLICH! Tena Lady für Fledertiere…

    btw: Eigentlich hatte ich diesen Beitrag nur als Entwurf abgespeichert. Also war ich etwas verwundert, dass er plötzlich geplant war. Ich hätte vielleicht nicht schon alle Bilder einfügen sollen – hat vielleicht den Eindruck erweckt, ich hätte nur vergessen, ihn in Planung zu geben?
    Also werde ich, wenn ich mir bei einem Beitrag noch nicht sicher bin, ob der so bleiben soll oder nicht, vorab noch keine Bilder in den Entwurf mit einfügen…

    1. Ja sorry, aber der einzige der weit im Voraus liefert ist Gerd und die Restlücken der Woche greife ich was ich kriege.
      Zur Planung habe ich nur klitzekleine Zeitfenster zwischen meinen Diensten und diesmal hatte mir so ein Depp seinen Haustürschlüssel auf dem Weg verloren …. pfffff Plattfuss.

  2. Selune, das wird wohl vielen Frauen so gehen. Außerdem ist es doch bewiesen: Männer können hervorragend hören. Hervorragend WEG hören!
    Das manche Menschen bestimmte Frequenzen nicht hören kann ich bestätigen. Wenn wir in lauen Sommernächten etwas länger draußen sitzen und die Grillen zirpen, macht mich das Geräusch kirre, während er nichts davon hört…
    PS: Die Fledermaus-Fotos sind toll, auch die von Naturfreund. 😉

    1. Ich muss leider gestehen, dass die Fotos nur gut gesucht und gefunden sind…
      Wie gesagt, ich besitze nur ein kleines Pipsiknipsi und auch nur rudimentärste Fotofizierkenntnisse. Höhlenausflüge sind leider auch nicht meine Stärke – daher muss ich abkupfern.🙄
      Vielleicht kann ich mal eigene Knipser reinstellen, wenns zum Thema passt…

  3. Habe eben auch etwas erstaunt auf die Gestaltung der Seite geschaut, aber wenn mein „Semf“dazuzugeben abgedruckt wird,ist es i.O.
    Tja ,die Geschichten mit den etwas schwerhörigen Ehegespons ist direkt aus dem Leben gegriffen…da bedarf es leider keiner Phantasie, aber da findet man immer eine Lösung, wenn man sich auch nach Jahrzehnten noch zugetan ist 😉👍☺

    1. mini, DANKE für deinen letzten Satz! Ich hatte ehrlich schon Angst, dass es unsere „Ypsilons“ – also die Männer hier und allerorten (im Gegensatz zu den Ixelins, zu denen ich mich zähle, und alle anderen Weibchen natürlich auch) einige AGS Geschichten vielleicht falsch auffassen könnten…
      Hiermit möchte ich betonen – und betonieren: Ich liebe meinen Mann – meinen Lebensmenschen – von ganzem Herzen. Trotzdem gibt es dann und wann halt von der Natur scheinbar so vorgesehene Unterschiede, die das Zusammenleben manchmal erleichtern, manchmal hingegen schwierig machen. Wenn sich da einiges durch die Verkettung unglücklicher Ereignisse anstaut, macht sich jeder wohl auf seine eigene Weise Luft. Weil sich aber die Ixelins erwiesenermaßen oft mehr des Mediums „Sprache“ bedienen – also viel mehr (Ypsilons würden sagen „zuviel“) quatschen, kommen solche Berichte zustande…

      ‚Ich hoffe, dass über meinem Avatar nun keine Zielscheibe hängt und Jürgen, Gerd und unsere anderen geschätzten Männer nicht mit Darts oder Schlimmerem auf ihn (mich) werfen oder gar schießen 😯

  4. Oh, da gibt es noch zwei ähnliche Effekte.
    1. Wenn frau etwas sagt oder um etwas bittet, wird männlicherseits brav mit „Ja“ alternativ mit „Jaja“ geantwortet. Nur auf das Ergebnis oder Ausführung der Bitte wartet frau vergebens. Merke: Immer den Auftrag oder die Bitte wiederholen lassen! Erst dann wird es im männlichen Gehirn abgespeichert. 😉
    2. Nie zweiwas Verschiedenes in einem Satz sagen oder eine genauere Beschreibung des Auftrages (der Bitte) in einem zweiten Satz erläutern. Das männliche Gehirn scheint so programmiert zu sein, dass es nach einem ersten Auftrag sofort abschaltet oder um es wohlwollend zu beschreiben – in den Ausführmodus übergeht. Z.B.: „Kannst Du heute Mittag bitte die Wäsche vom Balkon holen? Aber nur die Shirts vorn auf dem Wäschständer, der Rest ist noch zu nass.“ Preisfrage: Welche Wäsche ist nachmittags in der Wohnung zu finden? 🤔
    Sollte es hier in der Runde männliche Wesen geben, auf die diese (hier im Kolleginnenkreis über langjährige Testreihen erzielte) Erfahrungen nicht zutreffen, bitte ich um Nachsicht – bisher habe ich noch kein solches Wesen erlebt. Ich sollte nun wahrscheinlich auch schnell meinen Kopf einziehen! 😄

  5. Aaaaaaalso: Bin ja nicht wirklich der Typ, der mit seinen Kumpels am Stammtisch beim Bierchen über Frauen lästert, habe aber einige sehr gute Freundinnen, mit einigen davon sogar platonisch silberne Hochzeit. Und wenn die so aus dem Nähkästen plauern, über andere Frauen und deren Beziehungen …. ohauaha.

    Da hört man durch die Bank, dass – natürlich grundsätzlich die anderen – (viele) Frauen auch ausgerechnet den Scheißkerlen, die sie am schlimmsten behandeln, am eifrigsten hinterher rennen. Wäre also alles eine Frage der Erziehung, hätte man sich das Schicksal nicht noch selbst aktiv ausgesucht. 😉

    Von einem anderen Forum weiss ich, dass man als Admin das Chauviabo ja automatisch hat und Jeannette, die hier heimlich mitliest, wird jetzt sicher laut lachen.

    Aber eben weil ich das oben Gesagte weiss, brauche ich von meinem Abo gar keinen Gebrauch machen. Hätte Uli noch gelebt, wäre zu überlegen, ob er uns sein Schweinchen als Chauvisparschwein zeichnet, zum Download als Pappaufstellsammelbox für seine Stiftung und dazu einmal das Weibliche Gegenstück erfindet, für das ich hier heute mal Bedarf sehe, wenn ich da nochmals an die oben erwähnten Erfahrungsberichte denke.

    Sollte ich noch mal Kontakt zu seiner wA kriegen, werde ich sie genau danach fragen, une je eine PDF Datei mit Chauvisparschwein und dem noch namenlosen Gegenstück zum Download stellen.

    Dann werden wir im (bisher) dreiköpfigen Moderationsteam abstimmen, wer diese Box ausschneiden und das chon mal für seinen Kommentar 2 € für die Stiftung hinein werfen darf.

    Scheisse, die Idee ist ja mal so richtig gut.

    [selbstaufdieschulterklopf][Adminstempel]
    Stempel

    1. Das mit den Scheißkerlen ist leicht erklärt: Frauen (ob Männer das auch tun, kann ich nicht sagen)suchen sich unbewußt immer die Partner, von denen sie glauben, mit ihnen umgehen zu können. Das resultiert mit Sicherheit aus den gemachten Erfahrungen – Elternhaus, frühere Partner etc.
      Das gerade das Gegenteil der Fall ist, erkennen die Betroffenen leider nicht oder glauben es einfach nicht.
      Natürlich ist das ein so gut wie unentrinnbarer Teufelskreis ☹️☹️☹️
      Ich kenne selbst so eine Person – schrecklich mitanzusehen…
      Mist, wußte ichs doch – ich habe mich wohl in die finanziellen Nesseln gesetzt 🤔

    2. Halloooh, das war Spaaaß! Keine der Mädels hier hätte vorher was von Scheißkerlen von denen man abhängig ist, geschrieben. Meinereine ist mit dem GG schon 33 Jahre zusammen und bis auf oben genannten kleinen Macken, kann ich mir eigentlich keinen lieberen wünschen. Und wenn wir im Kolleginnen- und Kollegenkreis darüber lästern, lachen die Herren der Schöpfung immer mit. Also, es tut mir leid, wenn sich jemand auf den Schlips (warum muss ich jetzt Evelin Hamann denken 🤔😃) getreten fühlt. Männer und Frauen sind nun mal verschieden, aber passen doch meistens trotzdem einigermaßen zusammen. 😁

      1. Ja natürlich ist das Spass, die neuen Sammelboxen hast Du ja auch noch nicht gesehen. 🙂

        Aber ich fand es sei eine tierisch feine Idee, wenn sich jeder in seinem stillen Kämmerlein seine Büsserbox ausschneiden, aufstellen und für Ulis Stiftung spenden kann.

        Gerade weil man dann doch mit gutem Gewissen ablästern kann, leistet man als Buße dann auch noch einen guten Zweck damit.

        Und je mehr ich drüber nachdenke … 🙂

  6. Oh wie schön! Fledis! Habe deinen Beitrag Selune, mehrmals gelesen, der Schreibstil hat mich an jemand erinnert und ich bin nicht drauf gekommen. Nun habe ich es! Doreen Tovey! So was von genauso, toll.
    Die Fledermaussorge, genial! Allerdings, Klugscheißermodus an: Fledermäuse altern nicht und werden auch nicht krank. Wenn sie unsere Welt verlassen, tun sie es in einem jungen Körper. Sie tragen alle möglichen Arten von Viren und Bakterien in sich, haben so ein Immunsystem, das es ihnen nichts ausmacht. Deshalb bitte keine Fledermäuse anfassen, sie haben spitze Zähnchen und nutzen sie auch, können Tollwut übertragen. Allerdings NUR Tollwut.

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